Wir leben in interessanten Zeiten. Vielleicht manchmal ein wenig zu interessant, sage ich mal als jemand, der direkt an der Donau wohnt. Der Ausblick auf das liebliche Ufer der Donau ist um Vielfaches schöner, wenn kein Zuviel an Wasser die Landschaft versaut. Ich weiß, der gewöhnliche Hochwasser-Tourist mit Kamera und Smartphone wird das anders sehen. Was mich im Rückblick wundert ist, dass diese Spezies uns als Ureinwohner am Wasser keine Glasperlen für einheimische Erzeugnisse angeboten haben. Aber ich will mich nicht beschweren: Meine Nachbarn und ich gehören zu den Anwohnern, die mit einem blauen Auge davon gekommen sind. Sandsäcke, die klassische Opferung der Erstgeborenen, ein Damm der gehalten hat und unverschämt viel Glück ließen den Kelch an uns vorübergehen, genauer: Ein Zentimeter mehr und es wäre Schicht im Schacht gewesen. Und das Glück hielt an: Bei einem der Unwetter hat zudem noch der Blitz eingeschlagen und es gab keine Verletzte oder einen Brand. Der sogenannte Blitzableiter ist über eine Strecke von drei Häusern praktisch verdampft und bis auf Router, Computer, Fernseher, Thermen und allerlei anderem elektronischem Gerät sind keine weiteren Sachschäden zu beklagen. Auch wenn es eine finanzielle Härte für den einen oder anderen darstellt: Das läßt sich alles über die Zeit ersetzen - jeder ist gesund und putzmunter, was letzten Endes das einzig Wichtige ist.
Andere Bewohner der Flußauen sind nicht so glimpflich davon gekommen und auch wenn es im ersten Augenblick zynisch klingen mag: Die Flut hatte viel Gutes. Sie zeigt, dass das oft negative Bild von unserer "Geiz-ist-geil!" Gesellschaft nur bedingt richtig ist. In Zeiten der Not kann man sich auf die Solidarität und Hilfe seiner Mitmenschen doch verlassen. Auch wenn man es im Alltag mit den Troglodyten in der Nachbarschaft, der buckligen Familie, Misanthropen am Arbeitsplatz, dem Finanzamt oder den Wahnsinnigen auf der Autobahn oft vergessen wird: Kooperation und die - manchmal ziemlich tief begrabene - Bereitschaft zu helfen ist dem Mensch eigen. Helfen ist eine klasse Geschichte, die nicht nur ein gutes Kharma bringt oder eine Geschichte für das Dinner zu zweit aka "Kleines, ich habe die Schaufel bei der schlimmsten Flut seit 500 Jahren geschwungen...". sondern läßt auch Sonne in unsere Herzen scheinen.