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Saturday, April 6, 2013

Art & Facts: Tanz der Fragmente (1)




Ich habe mich oft im Blog mit der Frage beschäftigt: Wo beginnt Kunst und wo hört diese auf? Vermutlich, weil ich persönlich mit einem guten Teil der modernen Kunst meine Schwierigkeiten habe. Nicht aus dem Grund, weil ich überzeugt bin, dass zur Kunst auch Handwerk gehört... viele der modernen Installationen kann auch der freundliche Nachbar vom Haus gegenüber aufbauen, ohne dass er sonderlich gefordert wird. Solang es niemand bemerkt und der "wahre" Künstler es als sein eigenes Werk ausgeben kann, werden sich genügend Menschen finden, welche die Dramatik in diesem Werk durchaus zu würdigen wissen. Meine Schwierigkeiten mit der Kunst fangen an der Stelle an, wo der Intellekt die Emotionen ablösen muss, damit ein Haufen Schrott auch Kunst wird.

Friday, July 27, 2012

Viva a Pixação, arte como crime! (2)

Erfolgreiche Kommunikation mit dem Klassenfeind und seinem Stinkefinger setzt voraus, dass in einer gewissen Art und Weise die Sozialisation der anderen Gruppe nachvollzogen werden kann. Es ist praktisch die Zugangsvoraussetzung um Teilnehmer und Akteur in diesem sozialen System zu werden, oder: Erfolgreich mit der anderen Gruppe zu kommunizieren. Und genau da tut sich der Bildungsbürger schwer, denn Ausgrenzung, Armut und Diskriminierung werden von diesem oft mit einer morbiden romantischen Vorstellung verbunden. Der arme Mitbürger als edler Wilde, dem lediglich ein bisschen Bildung und Moneten fehlen. Die Faszination für untere Klassen und deren Kultur hat eine lange Tradition. Orwell zum Beispiel hatte die Arbeiterklasse geliebt und zwei seiner Werke darüber haben eine Menge Ruhm eingefahren: "Animal Farm" und "1984", wobei letzteres eher das Nachkriegs-England von 1948, als die ferne Zukunft beschreibt. Hehe, Orwell hat sein Leben lang darunter gelitten, dass er nie zu der unteren Klasse gehört hat, denn er konnte weder seine Aussprache, noch seine Erziehung verleugnen. Er hatte dadurch seine "Unschuld" verloren und konnte sein Paradies nur als leicht erkennbarer Besucher betreten. Die Upper Class war einfach zu stark in ihm. Aber warum in die Vergangenheit schweifen, wenn die Gegenwart doch so nahe ist. Ein William Deresiewicz hat einen recht aufschlussreichen und interessanten Artikel über Eliten und Erziehung geschrieben: "The Disadvantages of an Elite Education".

Thursday, July 19, 2012

Viva a Pixação, arte como crime, crime como arte!

Ah! Kunst als Verbrechen und Verbrechen als Kunst. Die bösen Genies der besseren Zukunft sind da wohl Pate gestanden. Leider nein, es ist nur die Kultur-Bourgeoisie, die auf Ihrer Suche nach dem nächsten großen Ding, bei Pixação und den Pixadores (die ausführende Malermeister) gelandet ist. Deren meist nächtliche Beschäftigung ist es, auf Häuser und Wände Zeichen zu hinterlassen, eine Art Alphabet, dass sich aus Runenschriften und - Haltet euch fest! - Heavy Metal Covern von Platten herleitet. Manowar als die Wiege moderner Kultur.... ich könnte gackern. Ich persönlich denke, dass die Galerien, das Feuilleton und die Bagage der intellektuellen Kultur- und Gutmenschen letzten Endes viele Hintergründe dieser Kultur einfach missverstehen oder falsch interpretieren. Das Manifest der diesjährigen Berlin Biennale gibt beispielsweise Folgendes zum Besten:

"Wir glauben, dass Politik eine der komplexesten und schwierigsten menschlichen Tätigkeiten ist. Wir haben KünstlerInnen, AktivistInnen und PolitikerInnen getroffen, die sich durch ihre Kunst nachhaltig politisch engagieren."

Das Wort "Kunst" wurde also schon in den Mund genommen und Einladungen des hiesigen Kulturbetriebes gingen an die fernen Fassadenmaler. Das Zusammentreffen war von Schwierigkeiten geprägt, denn der durchschnittliche Pixador engangiert sich nicht politisch durch Kunst, vor allem nicht nachhaltig. Die Zeichen sind nicht Ausdruck eines künstlerischen Selbstverständnisses, sondern es sind Urinmarkierungen im Revier des besser gestellten Teil der Gesellschaft. Eine Währung, mit der vor allem symbolisches Kapital erworben wird. Die Höhe des gewonnenen Kapitals wird durch die Gefährlichkeit der Aktion und die Höhe der angebrachten Malerei mitbestimmt.

Monday, June 4, 2012

Wer keine weiche Birne hat...

...kauft harte Äpfel aus Halberstadt. Wer hats erfunden? Oder Wörter wie "ächz", "stöhn" oder "grübel" aufgebracht?  Nicht die Schweizer, sondern eine Koryphäe der deutschen Sprache: Erika Fuchs. Auf die Dame - oder besser gesagt den Namen - bin ich das erste Mal in einer obskuren Zeitschrift gestoßen: Das Heft Nummer 66, herausgegeben von einer Organisation namens D.O.N.A.L.D (Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus) vor ungefähr 20 Jahren. In Schwarzweiß, mit der Schreibmaschine getippt, Layout grauenhaft. Mit Beschreibungen von merkwürdigen Freizeitaktivitäten und haufenweise Bilder von Nerds, die Ihren Friseur nicht anständig gezahlt haben. Und das Titelbild, ahem...

Die Urheberrechte für alle Abbildungen von Disney-Bildern liegen bei The Walt Disney Company und Ehapa.


Eine Puplikation zum Vergessen, wenn nicht zwei Sachen gewesen wären: Eine Abhandlung namens "Bildet Lesen?" über Buch und Bildung in Entenhausen, die nicht nur intelligent und humorvoll geschrieben war, sondern auch ein grandioser Mißbrauch der universitären Sprache war. Aber viel wichtiger: Ein Interview mit Erika Fuchs, Ihres Zeichens Übersetzerin der Donald Duck Geschichten von Carl Barks.

Friday, June 1, 2012

Ein Ruf wie Donnerhall

Das hier habe ich ursprünglich für einen Freund nach einem längeren Gespräch geschrieben. Es passiert hin und wieder, das man mit einem anderen Menschen redet und ein bestimmtes Gefühl zu der Situation des Gegenübers hat, das man jedoch während des Gespräches nicht mit Worten ausdrücken kann. Manchmal denken die Finger besser als der Verstand. Interessanterweise war das ein relativ kurzer Text, bis zwei weiterere Freunde unabhängig voneinander mit dem gleichen Thema anrückten. So wurde es mehr und mehr.

Und so beginnt es... Das Leben vieler Menschen kommt an einem Punkt, an dem sich nichts mehr vorwärts zu bewegen scheint. Eine Unzufriedenheit nagt an unserem Selbstverständnis und Gemüt, ein Verlorensein der Seele und eine Leere im Herzen, die selbst in der Perfektion unserer Sammlung materieller und nicht materieller Güter immer öfter ihr häßliches Haupt erhebt.

Der Fuhrpark, die Briefmarkensammlung, die Ikea Einrichtung, die Karriere oder die geschnitzten Kerben im Schwanz, welche die Anzahl der erlegten Weiber aufzeigt: Schal und langweilig. Dinge, deren Wichtigkeit wir plötzlich nicht mehr nachvollziehen können. Selbst wenn die Dosis der bisherigen Garanten unserer Zufriedenheit erhöht wird, stellt man fest: Man dreht sich wie ein tollwütiger Hund im Kreis und bewegt sich nicht von der Stelle.