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Sunday, July 31, 2016

Ein Nagel, der herausragt, muss eingeschlagen werden: Die chinesische Tragödie geht weiter...

The hat of my dad - Part II of III
Die Zukunft hat begonnen und ist viel dreckiger, als George Orwell es jemals hätte sich ausmalen können. Wie sich der eine oder andere Leser erinnern kann, hatte ich im letzten Monat über die entführten Buchhändler aus Hongkong berichtet. Die Feststellung, dass das Verkaufen von Büchern in manchen Teilen der Welt verwerflicher als der Handel mit Drogen ist, sollte eigentlich der Versuch sein, die Sache etwas mit Humor zu würzen. Bitter ist, wenn man die Entführungen durch die chinesische Regierung im Zusammenhang mit anderen Details der gesellschaftlichen Umstrukturierung im Land der Morgenröte betrachtet. Was dort gerade passiert, kann man durchaus als Entstehen einer Blaupause betrachten, wie man mit relativ wenig Aufwand und der Verwendung des Internets ein ganzes Volk auf den vorgegebenen Kurs des Großen Bruders bringt.

Saturday, February 27, 2016

Gebinched: Minority Report und The Expanse

I'm placing you under arrest for the future murder of Sarah Marks and Donald Dubin that was to take place today
Minority Report


Ich weiß nicht mehr wo, aber einmal hatte ich einen Artikel über die 90er Jahre des letzten Jahrtausend gelesen. Zwei Sachen sind dabei hängen geblieben: Zum einen, dass die 90er einmal als die "Goldenen 90er" in die Geschichte eingehen werden und zum zweiten, dass sich die damalige Generation wie folgt beschreiben lässt: "Sie trieben Unzucht und lasen die Zeitung." Im 21. Jahrhundert wird das wohl umgeschrieben werden müssen in "Sie sahen Youporn und trieben Binge-Watching!". Da ich in dem Alter bin, in dem man froh ist, vom Beischlaf mit seiner Ehefrau befreit zu sein, habe ich wieder einmal mit "Binge-Watching" meine kostbare Lebenszeit verschwendet.

Als Science Fiction Nerd bin ich mit froher Hoffnung "Minority Report" und "The Expanse" angegangen. Mit höchst unterschiedlichem Vergnügen, denn beide Serien decken das jeweilige Spektrum an den Extremen ab: Sehr gut und unterirdisch schlecht. Gute Beispiele dafür, was man bei Darsteller, Dialoge, Umsetzung der Welt, Produktionsdesign und Effekte in den Sand setzen kann oder wie man es richtig macht.

Saturday, August 15, 2015

Dark Matter (SF 2015): Ächz, Stöhn, Cheese

"Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate!"
Dante Alighieri

https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/51X-zAx3oJL._SL250_.jpg
Hupfdohlen in billigen Kulissen
Von den großen Dichtern wird berichtet, dass es ihnen schwergefallen ist, einem Schauspiel mit Worten gerecht zu werden. Bei "Dark Matter" stellt sich diese Schwierigkeit nicht, denn es ist ein Machwerk, dass es sich nicht anzusehen lohnt. Natürlich ist das meine komplett subjektive Sicht, die keinen Anspruch auf eine objektive Wahrheit erhebt. Aber ich empfehle Fans von dieser Serie, sich an dieser Stelle von der Rezension abzuwenden und anderen Dingen zu widmen. An die interessierten Leser, die noch bleiben: Meiner persönlichen Meinung nach wurde wieder einmal ein Budget für eine Science Fiction Serie sinnlos verbraten und das ärgert mich so, dass ich wieder die Tasten für einen Beitrag bemühe. Nun - gibt es die kleine Chance auf Kultstatus, weil die Serie so schlecht ist, dass es schon wieder gut ist?

Das trifft auf "Dark Matter" leider auch nicht zu, denn die Serie ist nach 8 Folgen einfach nur schlecht. Drittklassige Schauspieler der Kreisliga Süd geben hölzern Sätze von sich, die CGI ist mau und die Geschichten schon tausendmal erzählt. Ich weiß nicht wer das Script gelesen hat und sein OK für die Umsetzung gegeben hat, aber vermutlich war die Hoffnung die Mutter des Projektes. Die Schreiber sind gestandene Veteranen des gehobenen SF Cheese und haben schon in Stargate SG-1 ihr Unwesen getrieben - und vermutlich dort ihr kreatives Pulver verschossen. Zumindest wäre die Ausgangslage wirklich eine gute Basis für viele Geschichten: In einem Raumschiff, dessen Ladung aus Waffen besteht, wachen sechs Menschen auf, die sich weder an ihre Namen oder ihre Vergangenheit erinnern können. Lediglich die Reste einer Datei in einer der gelöschten Datenbanken des Schiffes gibt ein paar Details aus deren Vergangenheit preis: Es sind alles gesuchte Lumpen, Brandstifter, Gauner, Verbrecher und Mörder.

Monday, April 6, 2015

Jupiter Ascending: Visuell top, die Geschichte ein Flop

Goldene Himbeere!
Das war ein Film, auf den ich mich gefreut habe, denn die Wachowski Geschwister haben ein Händchen für abgefahrene Settings und Universen. Vor allem haben beide eine stark ausgeprägte Vorstellungskraft und das kommt auch in "Jupiter Ascending" zu tragen. Es ist ein spektakulärer Film mit einigen beeindruckenden Special Effects, guten Kostümen und Kämpfen, die bunt, explosiv und kurzweilig sind. Persönlich denke ich jedoch, dass das Geschwisterpaar ebenso grandios scheitert, innerhalb ihrer fantastischen Welt auch eine interessante Geschichte zu erzählen.

Die Story selber besteht hauptsächlich aus einer mauen Liebesgeschichte und einer Abfolge von Variationen des Themas "Rettet die Jungfrau in Not". Gut aufgezogen kann das funktionieren, aber hart gesagt sind Channing Tatum und Mila Kunis eine Fehlbesetzung. Man kann beide als Metapher für den ganzen Film sehen: Beide sehen verdammt gut aus, aber Charakter, Tiefe und Persönlichkeit sind nicht vorhanden. Vor allem reicht die Chemie zwischen beiden Schauspielern nicht aus, um eine authentische Liebesgeschichte zum Laufen zu bringen. Damit fällt einer der Säulen, die den Film in Sachen erzählter Geschichte hätte retten können. Nicht unschuldig an der Demontage ist das Drehbuch, welches Dialoge liefert, die - milde gesagt - einer Überarbeitung würdig gewesen wären:

Caine Wise: Your Majesty, I have more in common with a dog than I have with you.
Jupiter Jones: I love dogs, I've always loved dogs.

Da hat mehr als ein Kinobesucher betreten in seine Tüte mit Popcorn gesehen... und das war noch einer der besseren Dialoge. Vielleicht wären diese Szenen mit einer Portion Selbstironie witziger gewesen, aber dazu war der Film letzten Endes mit seiner Kapitalismuskritik doch zu sehr bemüht. Wie auch immer: Bei einem 175 Millionen Dollar Budget erwarte ich eigentlich, dass die Schreiber bessere Dialoge aufs Papier bekommen.

Thursday, November 13, 2014

Beyond Earth



Mein erster subjektiver Eindruck: Sid Meier's Civilization Beyond Earth [PC] hat das Potential ein großartiges Spiel zu sein, aber bis dahin werden es wohl noch ein oder zwei Erweiterungen werden. Das Setting stimmt, Grafik und Design ist schick und die Entwickler haben sich einige Mühe mit den Hintergründen der Fraktionen gemacht. Das UI ist tauglich, hat aber Schwächen bei einigen elementaren Spielmechaniken, wie zum Beispiel die Zuweisung von Handelsrouten ab einer gewissen Anzahl von Städten.  Mir persönlich gefallen vor allem ein paar Neuerungen, die es von den bisherigen Civilisation Titeln abhebt: Zum Beispiel Quests, die an gebaute Gebäude gekoppelt sind und der neue Forschungsbaum, der mehr Freiheiten zuläßt, als das lineare Design seiner Vorgänger. Klasse Sache! Einer der Veränderungen, die einiges an Potential mit zukünftigen Patches hat, findet man am Anfang des Spieles. Man wählt nicht mehr nur den einen "Maximo Leader" aus, sondern baut sich Schritt für Schritt seine Wunschfraktion zusammen und schickt diese dann in Richtung des neu entdeckten Planeten. Um meinen gesamten Eindruck zusammenzufassen: Beyond Earth macht vieles richtig und wenig falsch. Leider sind die wenigen falschen Entscheidungen in Sachen Spieldesign schwerwiegender, als es die ersten 100 Runden des Spieles erahnen lassen....

Friday, September 19, 2014

Extant: Schwanger durch Sporen im Weltraum

WYSIWYG
Die Serie anzusehen war eine Verschwendung von Lebenszeit. Die Grundidee der Serie läßt sich wie folgt umschreiben: "Intelligente Sporen zeugen mit unfruchtbarer Hausfrau ein Kind". Coole Sache, holt das Popcorn und die Getränke! Weltraum-Trash vom Feinsten! B-Movie Abend! Aber ich sage euch: Lasst alle Hoffnung fahren. Die Serie schafft nicht den Sprung über die Hürde "So schlecht, dass es wieder gut ist". Es steckt eine Menge Geld in der Produktion drin und ist ansprechend produziert. Aber die hübschen Bilder und Effekte reichen leider nicht aus, die bittere Tatsache zu verdecken: Wieder wurde eine Science Fiction Serie in den Sand gesetzt. Eine miserable Geschichte, welche die Intelligenz der Zuschauer beleidigt, Schauspieler ohne Chemie, eine überforderte Hauptdarstellerin und einen Steven Spielberg Subplot, der mit Künstlicher Intelligenz zu tun hat, böarks. Halle Berry wurde zwar einmal mit einem Oskar für Leistungen in der Schauspielkunst bedacht, wird aber für Extant wohl mehrere goldenen Himbeeren ernten. Sie kann keine Serie über 12 Folgen tragen und dass wird von Folge zu Folge offensichtlicher. Um was dreht es sich eigentlich in "Extant"?

Es geht um einen Japaner, der in einem abgestürzten Asteroiden Gülle von Ausserirdischen findet, die ihn unsterblich macht, solange er diese regelmäßig einnimmt. Da der Vorrat zu Ende geht, und dieser nicht künstlich herzustellen ist, schickt der alte Mann Astronauten auf Solo-Missionen in eine Raumstation. Die Hoffnung: Mit den Herstellern einen Deal zu machen oder mehr von dem Zeug zu finden. Das kann man so stehen lassen, ergibt es doch eine gute Ausgangsbasis für allerlei bunte und wilde Geschichten. Nun, die Truppe um Steven Spielberg (Produzent) hat sich Folgendes ausgedacht:

Auf der Raumstation kommen intelligente Sporen zu Besuch, welche die Vorstellungskraft von uns Menschen perfekt manipulieren können. Ausserirdische können und dürfen das im Übrigen - ein Axiom in Science Fiction Serien! Die Sporen gaukeln Molly - unserer tapferen Hausfrau im All - einen gestorbenen Liebhaber vor, um einen Alien Hybriden zu erzeugen. Aha, Sex mit Toten - das kann nicht gut gehen. Aber sehet da, ein Wunder der Natur! Denn Molly ist eigentlich unfruchtbar und hat mit ihrem Mann, einem Wissenschaftler der Androiden bastelt, eine künstliche Intelligenz in einem Roboter als Ersatz für ein Kind adoptiert. Wolken des Dramas dräuen am Horizont! Bruderzwist, ich hör dich trappsen! Unfruchtbar, aber hochschwanger kommt Molly auf die Erde zurück: "Aber isch 'abe nischt gevögelt, isch schwör!". Hat sie wohl und daher operieren die Schergen des unsterblichen Japaners den Alien Fötus ungefragt aus Molly heraus, der aber seinem Brutkasten entkommt und mordend und manipulierend auf der Erdoberfläche herumzieht.

Friday, August 22, 2014

Der Schockwellenreiter


"Es gibt zwei Arten von Narren: Der eine sagt 'Das ist alt und deshalb gut.' 
Der andere sagt 'Das ist neu und deshalb besser.'"
John Brunner


Amazon Antiquariat
Nachdem ich mit dem üblichen Rant über die Gefahren des Internets und der neuen Technik hergezogen bin, ist auch eine gewisse Nachdenklichkeit eingetreten. Die neuen Technologien werden nicht verschwinden, sondern rasant in unseren Alltag integriert werden - das steht nicht in Frage. Viel interessanter ist: Wie gehen wir damit um? Das World Wide Web zum Beispiel ist mal gerade 25 Jahre alt, steckt sprichwörtlich noch in den Kinderschuhen und ist schon jetzt nicht mehr aus unserem Leben wegzudenken. Einer der erste Erwähnungen eines weltweiten Datennetzes und dessen soziologischen Folgen war 1975 in einem Science Fiction: "Der Schockwellenreiter" von John Brunner, eine Dystopie über eine vernetzten Gesellschaft. Einer der Hauptthemen in dem Buch war die Kontrolle über das weltweite Datennetzwerk und die Auswirkungen auf die Gesellschaft. Nun, da Opas verstopfter Stuhlgang gerne auf eine unglückliche Kindheit zurückgeführt wird, ist mein Misstrauen gegenüber gewissen neuen Formen der Technik wohl das Lesen der falschen Bücher zuzuschreiben. Manche bezeichen das Buch gern auch als den Urvater des Cyberpunks, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass die Welt durch den Fortschritt der Technologie keine bessere geworden ist. Ein Credo, dass ich gerne und oft predige, aber eigentlich nicht das meine ist. Die nackte Wahrheit: Ich bin definitiv nicht der Narr, der meint "das ist alt und deshalb gut". Ich liebe Technik, HighTech Junk und die Erfindung des Internets, das mich vom Besuch staubiger Bibliotheken und den Axtmördern befreit hat, die sich üblicherweise dort als Personal tarnen. Auch wenn "Der Schockwellenreiter" fast 40 Jahre auf dem Buckel hat, und manche Beschreibungen unserer heutigen Gegenwart eher zu belächeln sind, kann man sich das eine oder andere in Bezug auf das Internet, Big Data und dem Internet der Dinge abgreifen.