Tuesday, January 21, 2014

Vocaloids


Da ich letztens von Flann O'Brien und seine Abneigung gegenüber der Poesie berichtet habe,  gestehe ich hier an dieser Stelle ein, dass ich von einer ähnlichen Sache schon seit geraumer Zeit fasziniert bin: Vocaloids und die ganze Community, die darum entstanden ist. Im Prinzip sind Vocaloids virtuelle Avatare einer Stimmsoftware, deren "Stimme" auf mehr oder weniger bekannten wirklichen Sängern beruht. Die Gemeinsamkeit: Beide Produkte bringen Menschen dazu, Ihre kostbare Zeit in der Schaffung neuer und ähnlicher Produkte zu stecken. Zum Guten, wie zum Schlechten. Als ich das erste Mal auf Youtube über ein Live-Konzert gestolpert bin, war die erste Reaktion von mir "Wtf?!". Hunderte von Japaner, die Leuchtstäbe schwingen, abgehen und der bejubelte Star war eine projezierte Anime Figur. "Ok...", dachte ich mir "...es sind Japaner und als solche neigen diese dazu dem Westen befremdliche Sitten und Gebräuchen nachzugehen".

Hier mal eine Kostprobe von Japaner, die mit Leuchtstäben bewaffnet auf Konzerte gehen:


Aber so befremdlich ist das letzten Endes nicht, sondern eigentlich eine geniale Idee: Man nehme die Stimme eines anerkannten Sängers, entwickelt eine Figur dazu und stellt jedem frei, damit zu machen was er will. Zusammen mit der Community ist eine kreative Plattform entstanden, auf dem sich Künstler aller Art unabhängig von den Mechanismen der Musikindustrie austoben können. Die absolute Freiheit jede Art von Musik spielen und interpretieren zu können. Und damit ich nicht falsch verstanden werde: Die klassische Musikindustrie und Labels haben ihre Daseinsberechtigung, sind jedoch den Gesetzen der Marktwirtschaft unterworfen. Da wird nur selten ein Risiko eingegangen und keine Projekte unterstützt, die allzu abseits vom Geschmack der Massen sind oder wo der Sänger nicht als Projektionsfläche pupertierender Teenager taugt. Es gibt inzwischen tausende von Songs, die mit dieser Stimmsoftware entstanden sind und erlaubt ist, was gefällt: Trance, Pop, Metal, Rock'n Roll, Dubstep, RnB, Rock bis hin zu traditionellen Sache. Und keine Illusionen: Das Spektrum reicht von "Genial!" bis zu Peinlich, peinlich...".

Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, mein derzeitiges Lieblingsvideo aus dieser Ecke vorzustellen. Das ursprüngliche Lied ist "Senbonzakura", aus einem Videospiel namens "Project Diva", Vocaloid Hatsune Miku. Diesen Song hat sich die japanische Gruppe Wagaku vorgeknöpft und eine wirklich gelungene Interpretation auf traditionellen Instrumenten verbrochen. Und damit kann man mich immer ködern, seitdem ich vor ewig langer Zeit in einem Regional-Programm eines Rundfunksenders Techno gehört habe, der auf traditionellen türkischen Instrumenten gespielt wurde. Harter Stoff, und ziemlich genial. Die Interpretation von Senbonzakura hat wiederum eine Truppe übermütiger Jugendlicher dazu verführt, ein Tänzchen zu wagen:




Viel Spass damit! :)