Monday, January 26, 2015

Betet, dass Ende ist nahe! (1)

Zur aktuellen politischen Lage sage ich nichts - es sieht düster aus. Angesichts des an- und bestehenden Religionkrieges und Rückfall in das finstere Mittelalter, Zerstörung unseres eigenen Lebensraumes, lückenlose Überwachung des gemeinen Volkes und das ganze andere Kabinett an grauenhaften Tatsachen. Ich bin ein Nachrichtenjunkie, dem es keinen Spass mehr macht, Nachrichten zu sehen und zu lesen. Auch wenn wir Menschen oft falsch liegen, haben wir die Gabe, die Konsequenzen unseres Handelns einzuschätzen. Wie viele andere Bürger frage ich mich auch, was die Zukunft wohl bringen wird. Wo wird das alles hinführen? Werden wir uns - weil Putin oder Obama mal einen schlechten Tag haben - zurück in die Steinzeit bomben? Oder ruinieren wir in den nächsten 3 Jahrzehnten die Erde soweit, dass sich die Biosphäre nicht mehr erholen wird?

Das sind alles große Fragen und die daraus entstehende Unsicherheit ist das Kapital der Propheten und Scharlatane. In Zeiten der Krisen erhebt sich die unheilige Zunft und predigt das nahe Ende der Menschheit und der westlichen Zivilisation, wenn wir nicht dem "Random Bullshit" folgen, den diese gerade von sich geben. Normalerweise erkennt man diese Spezies an den roten Pappnasen, in der heutigen Zeit tarnen diese sich mit dem Namen "Experte". Der Lebensraum: Die deutsche Fernsehlandschaft oder das Rednerpult der Pegedia und AFD Nasen. 


Ich persönlich kenne die Zukunft nicht und will diese eigentlich nicht wissen, selbst wenn der Gedanke daran faszinierend ist. Das Leben wäre nicht mehr spannend, wenn man weiß, was übermorgen oder das Jahr darauf passiert. Ich gebe aber freimütig zu, dass ich dem Universum nicht gram wäre, wenn ich die nächsten 6 richtigen Zahlen im Lotto wüsste. Man könnte sich ein Leben abseits vom Zwang der Arbeit leisten. Weltherrschaft, holde Jungfrauen und genügend Knete, um sich die Butter aufs Brot leisten zu können. Eventuell eine kleine Insel in der Südsee? Am Strand im Liegestuhl, Drink mit einem Schirmchen und das Panorama des Weltuntergangs genießen? Hört sich für mich gut an. Und das, mein lieber Leser, wäre auch für Sie erreichbar, wenn sie nur einen kleinen Blick in die Zukunft werfen könnten. 

Daher habe ich mich auf die Suche nach den wahren Propheten gemacht, die das digitale Zeitalter hervorgebracht hat: Ungeküssten Statistiker mit dicken Hornbrillen! Einer der ersten Fragen, die man sich natürlich beim ersten Treffen mit dieser lichtscheuen Spezies stellt: Wie arbeiten denn diese Kerle? Lesen diese aus den Eingeweiden kleiner unschuldiger Hasen die Zukunft? Würfeln? Lose mit Weltuntergangsszenarien ziehen? Ich werde es euch erzählen, denn nach einer kleinen Lehrstunde sind digitale Glückskekse und Algorithmen, die Opas verstopften Stuhlgang vorhersagen, meine Spezialität!

Die einfachste Art und Weise, die Zukunft vorherzusagen ist die Suche nach Sequenzen oder Muster. Das kennen wir von klassischen Vorurteilen: Turban, Bart, Sporttasche, öffentlicher Platz, bestimmte Uhrzeit.... Bombenexplosion. Mein Lieblingsbeispiel ist der Aushang eines schottischen Wirtes, der eine Küchenhilfe gesucht hat: "Keine Wollmützen und Ziegenbärte!". Lässt diese Kombination Teller fallen und spuckt in den Salat? Wir wissen nicht um die Erfahrungen, die der Wirt mit arbeitslosen Grungern gemacht hat. Aber es ist auf jeden Fall nicht schön einen potentiellen Mitarbeiter aufgrund von modischen Torheiten aus der Arbeitswelt auszuschließen. Prinzipiell ist es aber der Weg eine korrekte Aussage über das Eintreffen eines zukünftiges Ereignis zu treffen - und das ist auf eine ganz eigene Art und Weise problematisch. 

Denn die digitale Front arbeitet nicht anders, lediglich die Datenmengen sind größer. Big Data anyone? Um eine recht beliebte und bekannte Methode zu beschreiben: Man rafft einen riesigen Haufen an Daten an sich und teilt diesen erst einmal unbesehen mit einem digitalen Fallbeil in der Mitte. 50% der Daten werden auf Muster und Sequenzen untersucht, die sich im Datenhaufen öfters wiederholen. Nehmen wir einmal 1,2,3,4 als Sequenz. Die Ziffern können übrigens für alles mögliche stehen: "1" bezeichnet einen bestimmten Menschen, "2" die Uhrzeit, "3" den Tag und die "4" bedeutet, dass dieser sich ein belegtes Brötchen kauft.

Es findet sich also Erika Mustermann. Sie kauft immer am Montag um 8.30 Uhr ein belegtes veganes Brötchen in ihrem Lieblings-Hipster-Laden. Sobald wir also eine gewisse Anzahl von Wochen ansehen - Wiederholungen also - und sehen dass es Montag 8.30 Uhr ist, können wir also die Aussage treffen, dass Erika M. vermutlich gleich ihre Stulle kaufen wird. Wird die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses jemals 100% erreichen? Definitiv nein, denn dem menschlichen Verhalten ist immer ein dicker Faktor der Irrationalität zu eigen. Der Strom ist ausgefallen, man ist in einem Verkehrsunfall verwickelt, der Wind weht aus westlicher Richtung, man übt sich im ehelichen Beischlaf mit Franz Mustermann und Erika Mustermann hat plötzlich keinen Bock in die Arbeit zu gehen: Ereignisse, welche die Prophezeiungen der Algorithmen über den Haufen werfen. Sagen wir einmal der Kauf des Brötchens passiert an einem Montag zu 80%?

Um festzustellen, ob Erika Mustermann tatsächlich ein Gewohnheitstier ist, kommt der zweite Datenhaufen ins Spiel. Die unheiligen Statistiker untersuchen diesen, ob sich das Muster aus dem 1. Datenhaufen finden lässt und wenn ja, mit welcher Wahrscheinlichkeit. Sollte sich diese Sequenz mit der annähernd gleichen Wahrscheinlichkeit im zweiten Haufen wiederholen, dann ist die Vermutung verifiziert und die Information kann für finstere Zwecke verwendet werden. Und je mehr an Daten vorhanden ist, desto genauer wird die Prophezeiung bezüglich eines bestimmten Ereignisses werden. Simpel oder? 

/to be continued