Erfolgreiche Kommunikation mit dem Klassenfeind und seinem Stinkefinger setzt voraus, dass in einer gewissen Art und Weise die Sozialisation der anderen Gruppe nachvollzogen werden kann. Es ist praktisch die Zugangsvoraussetzung um Teilnehmer und Akteur in diesem sozialen System zu werden, oder: Erfolgreich mit der anderen Gruppe zu kommunizieren. Und genau da tut sich der Bildungsbürger schwer, denn Ausgrenzung, Armut und Diskriminierung werden von diesem oft mit einer morbiden romantischen Vorstellung verbunden. Der arme Mitbürger als edler Wilde, dem lediglich ein bisschen Bildung und Moneten fehlen. Die Faszination für untere Klassen und deren Kultur hat eine lange Tradition. Orwell zum Beispiel hatte die Arbeiterklasse geliebt und zwei seiner Werke darüber haben eine Menge Ruhm eingefahren: "Animal Farm" und "1984", wobei letzteres eher das Nachkriegs-England von 1948, als die ferne Zukunft beschreibt. Hehe, Orwell hat sein Leben lang darunter gelitten, dass er nie zu der unteren Klasse gehört hat, denn er konnte weder seine Aussprache, noch seine Erziehung verleugnen. Er hatte dadurch seine "Unschuld" verloren und konnte sein Paradies nur als leicht erkennbarer Besucher betreten. Die Upper Class war einfach zu stark in ihm. Aber warum in die Vergangenheit schweifen, wenn die Gegenwart doch so nahe ist. Ein William Deresiewicz hat einen recht aufschlussreichen und interessanten Artikel über Eliten und Erziehung geschrieben: "The Disadvantages of an Elite Education".
Friday, July 27, 2012
Thursday, July 19, 2012
Viva a Pixação, arte como crime, crime como arte!
Ah! Kunst als Verbrechen und Verbrechen als Kunst. Die bösen Genies der besseren Zukunft sind da wohl Pate gestanden. Leider nein, es ist nur die Kultur-Bourgeoisie, die auf Ihrer Suche nach dem nächsten großen Ding, bei Pixação und den Pixadores (die ausführende Malermeister) gelandet ist. Deren meist nächtliche Beschäftigung ist es, auf Häuser und Wände Zeichen zu hinterlassen, eine Art Alphabet, dass sich aus Runenschriften und - Haltet euch fest! - Heavy Metal Covern von Platten herleitet. Manowar als die Wiege moderner Kultur.... ich könnte gackern. Ich persönlich denke, dass die Galerien, das Feuilleton und die Bagage der intellektuellen Kultur- und Gutmenschen letzten Endes viele Hintergründe dieser Kultur einfach missverstehen oder falsch interpretieren. Das Manifest der diesjährigen Berlin Biennale gibt beispielsweise Folgendes zum Besten:
Das Wort "Kunst" wurde also schon in den Mund genommen und Einladungen des hiesigen Kulturbetriebes gingen an die fernen Fassadenmaler. Das Zusammentreffen war von Schwierigkeiten geprägt, denn der durchschnittliche Pixador engangiert sich nicht politisch durch Kunst, vor allem nicht nachhaltig. Die Zeichen sind nicht Ausdruck eines künstlerischen Selbstverständnisses, sondern es sind Urinmarkierungen im Revier des besser gestellten Teil der Gesellschaft. Eine Währung, mit der vor allem symbolisches Kapital erworben wird. Die Höhe des gewonnenen Kapitals wird durch die Gefährlichkeit der Aktion und die Höhe der angebrachten Malerei mitbestimmt.
"Wir glauben, dass Politik eine der komplexesten und schwierigsten menschlichen Tätigkeiten ist. Wir haben KünstlerInnen, AktivistInnen und PolitikerInnen getroffen, die sich durch ihre Kunst nachhaltig politisch engagieren."
Das Wort "Kunst" wurde also schon in den Mund genommen und Einladungen des hiesigen Kulturbetriebes gingen an die fernen Fassadenmaler. Das Zusammentreffen war von Schwierigkeiten geprägt, denn der durchschnittliche Pixador engangiert sich nicht politisch durch Kunst, vor allem nicht nachhaltig. Die Zeichen sind nicht Ausdruck eines künstlerischen Selbstverständnisses, sondern es sind Urinmarkierungen im Revier des besser gestellten Teil der Gesellschaft. Eine Währung, mit der vor allem symbolisches Kapital erworben wird. Die Höhe des gewonnenen Kapitals wird durch die Gefährlichkeit der Aktion und die Höhe der angebrachten Malerei mitbestimmt.
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