Monday, April 6, 2015

Jupiter Ascending: Visuell top, die Geschichte ein Flop

Goldene Himbeere!
Das war ein Film, auf den ich mich gefreut habe, denn die Wachowski Geschwister haben ein Händchen für abgefahrene Settings und Universen. Vor allem haben beide eine stark ausgeprägte Vorstellungskraft und das kommt auch in "Jupiter Ascending" zu tragen. Es ist ein spektakulärer Film mit einigen beeindruckenden Special Effects, guten Kostümen und Kämpfen, die bunt, explosiv und kurzweilig sind. Persönlich denke ich jedoch, dass das Geschwisterpaar ebenso grandios scheitert, innerhalb ihrer fantastischen Welt auch eine interessante Geschichte zu erzählen.

Die Story selber besteht hauptsächlich aus einer mauen Liebesgeschichte und einer Abfolge von Variationen des Themas "Rettet die Jungfrau in Not". Gut aufgezogen kann das funktionieren, aber hart gesagt sind Channing Tatum und Mila Kunis eine Fehlbesetzung. Man kann beide als Metapher für den ganzen Film sehen: Beide sehen verdammt gut aus, aber Charakter, Tiefe und Persönlichkeit sind nicht vorhanden. Vor allem reicht die Chemie zwischen beiden Schauspielern nicht aus, um eine authentische Liebesgeschichte zum Laufen zu bringen. Damit fällt einer der Säulen, die den Film in Sachen erzählter Geschichte hätte retten können. Nicht unschuldig an der Demontage ist das Drehbuch, welches Dialoge liefert, die - milde gesagt - einer Überarbeitung würdig gewesen wären:

Caine Wise: Your Majesty, I have more in common with a dog than I have with you.
Jupiter Jones: I love dogs, I've always loved dogs.

Da hat mehr als ein Kinobesucher betreten in seine Tüte mit Popcorn gesehen... und das war noch einer der besseren Dialoge. Vielleicht wären diese Szenen mit einer Portion Selbstironie witziger gewesen, aber dazu war der Film letzten Endes mit seiner Kapitalismuskritik doch zu sehr bemüht. Wie auch immer: Bei einem 175 Millionen Dollar Budget erwarte ich eigentlich, dass die Schreiber bessere Dialoge aufs Papier bekommen.



Aber das Setting hat einen gewissen Charm, auch wenn es an Originalität fehlen lässt: Die Grundidee "Menschheit dient als Rohstoffquelle für sinistre Zwecke" wurde im Science Fiction Genre relativ oft verwendet. Spontan fällt mir da die "Church of Industrial Saints" aus der John Difool Reihe ein, die regelmäßig ganze Viertel einer Stadt bestrahlen, um so an genetisches Material zu kommen. Oder im "Krieg der Welten" diente die Menschheit als Proteinquelle und in "Torchwood" wurden menschliche Kinder als Droge für Ausserirdische missbraucht. Oder der eigene Film mit dem beide Geschwister berühmt geworden sind: "Matrix", in dem Menschen als Batterien für die Maschinen dienen. In "Jupiter Ascending" ist die Menschheit diesmal das genetisches Grundmaterial aus dem ein Unsterblichkeitstrank gebraut werden soll, mit dem sich guter galaktischen Dollar verdienen lässt. Hat etwas, oder?

Jein, denn es bleibt das schale Gefühl, dass viele der verwendeten Sequenzen aus anderen Filmen keine liebevollen Zitate, sondern der Tatsache geschuldet sind, dass beide Regisseure und Drehbuchschreiber in einem kreativen Loch sitzen. Die überzogene Darstellung der "Bürokratie" wurde zum Beispiel von Terry Gilliam in "Brazil" wesentlich genauer und spritziger auf den Punkt gebracht oder wer noch weiter in die Filmgeschichte zurückblicken willl: "Asterix erobert Rom" und die heroische Aufgabe im Haus der Verrückten den Passierschein A38 zu besorgen... 

Lohnt es sich denn, den Film anzusehen? Nun, handwerklich ist der Film top und wird sicherlich seine Fans finden. Die Wachowskis sind hochbegabte Filmer mit einem aussergewöhnlichem visuellen Verständnis, bedauerlicherweise fehlt ihnen die Begabung solide Drehbücher zu schreiben. Wer miserable Dialoge mit einem Bier runterschütten kann und Handlung als eine unerträgliche Verlängerung zwischen den gut gelungenen Aktioneinlagen betrachtet, der bekommt was für sein Geld.

Für mich ist der Film der 175 Millionen Dollar Beweis, dass Raumschiffe und Tricktechnik kein gutes Drehbuch oder eine spannende Erzählung ersetzen kann.