Monday, June 27, 2016

Die chinesische Buchmafia

I’m an occidental woman in an oriental mood for love
And I feel the thrill of China when I see a yellow buddha moon above
And when it weaves its magic spell around me
Sweet love is all I’m dreaming of
I’m an occidental woman in an oriental mood for love
Mae West



The hat of my dad - old Halloween
Es gibt Nachrichten, die nimmt man mit Befremden auf. Und ich rede nicht vom Brexit, der lässt mich vollkommen sprachlos zurück. Nur soviel: Die Engländer werden dicke bittere Tränen weinen. Aber heute geht es um China, Bücher und andere Anzüglichkeiten. Schweinskram in gedruckter Form mit lustigen Schriftzeichen, die nur wenige Europäer entziffern können. Weniger lustig sind allerdings die Ereignisse, die um diese Bücher entstanden sind.

Schweinskram. Das ist - höflich ausgedrückt - ein leidiges Thema, das auch mit Wiederholungen selten besser wird. Aber es ist ein Thema, dass die Welt immer wieder bewegt und wie uns die Geschichte lehrt, sind die größten Verbrechen und Kriege im Namen der Liebe geschehen. Stichwort Troja für den Philologen. Für die unter uns, denen diese Kost zu schwer ist, empfehle ich "Doktor Laos grosser Zirkus. (Hobbit Presse)", in dem auf das trefflichste beschrieben worden ist, dass sich alle Gespräche um drei große Themen drehen: Die Freiheit, die Liebe und das Essen. Und das trifft auch auf die Begebenheit zu, die uns aus China berichtet wurde.


Kurz: Vor ein paar Tagen gab es einen Bericht aus Hongkong über mehrere Buchhändler, die anscheinend von der chinesischen Regierung entführt worden sind. Der Grund für den Verlust der Freiheit? Angeblich haben die Verkäufer des gedruckten Papiers einen illegalen Buchhändlerring aufgezogen. Genau, meine Damen und Herren! Sie haben richtig gelesen. Das Verkaufen von Bücher ist in manchen Teilen der Welt verwerflicher, als der Handel mit Drogen. Sollte uns das nicht ein wenig verwundern?

Eventuell erinnert sich der eine oder andere Leser an einen Klassiker der Science Fiction Literatur: "Fahrenheit 451: A Novel", die Temperatur bei der Papier anfängt zu brennen. Das Thema des Buches ist eine Gesellschaft, in der Bücher verboten sind - eine ziemlich finstere Dystopie also. Bücher führen zum Verständnis der aktuellen politischen Situation, verführen zu eigenständigen Denken und sind deshalb gefährlich. Die Schafe könnten aus dem geistigen Gatter ausbrechen, in das man diese gepfercht hat. Und um dieses zu verhindern, hat die Feuerwehr einen neuen Job: Bücher zu verbrennnen. Und das versuchen ziemlich viele Staaten im 21. Jahrhundert im übertragenen Sinne, auch wenn das der gewöhnliche Europäer gerne ignoriert. Der größte Verbrenner "digitaler Bücher" ist übrigens China mit der Großen Firewall.

Natürlich ist die chinesische Regierung traditionell eine Ansammlung korrupter Reissäcke, die vollständig humorbefreit sind: Es ist verboten, was erlaubt sein könnte. Aber man fragt sich natürlich trotzdem, was der Inhalt diese Bücher war und warum diese so gefährlich für Staat und Partei sind. Das grundsätzliche Problem mit Büchern und dem gedruckten Wort in der heutigen Zeit ist: Man kann den Inhalt nicht einfach mit einem Knopfdruck löschen und so dem Volk vorenthalten. Keine Firewall kann verhindern, dass ein Leser das Buch aufschlägt und dort Inhalte findet, die nicht gut für ihn sind.

Hmm, was könnte das wohl sein? Revolutionäres Gedankengut? Aufruf zur Rebellion? Für den Kapitalismus, wider dem Maoismus? Was hat die chinesische Regierung so erbost, dass diese harmlose Buchhändler entführt? Für manchen Leser mag das jetzt überraschend sein, aber der begangene Frevel gegen Partei und Staat war: Ein entstehendes Werk über das Liebesleben des großen Vorsitzenden Xi Jinping. Wir erinnern uns: Eines der drei großen Themen. Aber in China pimpert der große Vorsitzende nicht. Er hat Keuschheit und Demut geschworen, lebt vermutlich vegan, trinkt destiliertes Wasser aus heiligen Quellen und ist nur dem Volkswohl verpflichtet.

Um die Ironie zu verstehen, die hinter der versuchten Verbrennung der Fakten über das Liebesleben des großen Vorsitzenden steht, muss man in die finstere Geschichte der europäischen Herrscher und der modernen Psychologie eintauchen. Letztere lehrt uns, dass das Verlangen nach politische Macht und Herrschaft in den meisten Fällen aufgrund sexueller Frustration entsteht. Und das ist etwas, was unsere streng riechenden Vorfahren zwar nicht wissenschaftlich erklären konnten, aber aus reinem Instinkt betrieben haben: Die öffentliche Kopulation auf einem belebten Marktplatz. Damit wurde nicht nur bewiesen, dass die Jungfrau auch tatsächlich jungfräulich war, sondern der Provinzfürst hat auch gleich dem gemeinem Volk mit seinen Kronjuwelen gezeigt, dass seine Herrschaft nicht aufgrund sexueller Frustration ein "epic fail"sein wird.

Soll das chinesische Volk also die öffentliche Kopulation von Peng Liyuan und Xi Jinping fordern? Würde es dem Volk beweisen, dass der große Vorsitzende ein guter Herrscher ist? Da die Heirat von beiden aus rein politischen Gründen geschehen ist, gebe ich einem erotischen Stelldichein auf dem Himmlischen Platz nur wenig Chancen. Vermutlich wird in den Büchern von den Eskapaden des großen Vorsitzenden ausserhalb der Ehe berichtet. Und dieses Wissen ist für den chinesischen Staat so gefährlich, dass Buchhändler entführt, gefoltert und deren Familie bedroht wird.

Wir leben nicht in interessanten Zeiten, sondern in einem traurigen Zeitalter.