Thursday, May 15, 2014

Pandoras Box: Who watches the Watchmen - more weird stuff about Zappa (1)


"They who would give up essential Liberty, to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety."
- Benjamin Franklin


Benny himself!
Damit eine Demokratie funktioniert, bedarf es mündige und politisch aufgeklärte Bürger. Was ein Widerspruch an sich ist: Denn ein politisch mündiger Bürger würde keine der heutige Parteien wählen und wenn, dann mit grimmigen Bauchschmerzen das kleinste Übel. Es ist schon fast ein Allgemeinplatz, aber es geht schon lange nicht mehr darum, das Volk und deren Interessen zu vertreten, sondern die Partei und deren Machterhalt. Die Partei sichert das Einkommen der Kaste der Berufspolitiker, wobei der Wähler in der Verteilung der Sitze (sprich: Kuchenstücke, Anteile an der Macht) im Parlament eher stört, als dass er nützlich ist. Er ist eine unbekannte Größe, die es zu manipulieren gilt. Ist diese Ansicht zu polemisch, marxistisch-leninistisch oder zu sehr der Wirklichkeit entrückt? Vielleicht, aber um ein Abbild und Modell der aktuellen Situation zu bekommen, ist dieser Denkansatz vermutlich nicht verkehrt.

Bei einem der Interviews, die ich von Frank Zappa gesehen habe, ging es unter anderem darum, ob wir überhaupt in einer Demokratie leben, was dieser stark bezweifelt hatte. Er hat eine These aufgestellt, die sich im ersten Augenblick grotesk anhört und für die er teilweise heftig kritisiert worden ist. Eine Demokratie setzt voraus, dass eine Stimme des Bürgers den gleichen Wert wie eine andere Stimme hat (das Ideal der politischen Gleichheit), aber da nicht alle Menschen die gleiche Bildung und Erziehung haben, besitzen deren Stimmen nicht den gleichen Wert. Dieser wird durch die Information kontrolliert, die ein einzelner Bürger bekommt und ist abhängig von seiner Erziehung und den Medien bestimmt, die wiederum von der Wirtschaft kontrolliert werden. Eine wüste Theorie, oder? Das dachte ich auch, denn eine Stimme, ist eine Stimme, ist eine Stimme. In diesem Zusammenhang sollte man wissen, dass die Kluft zwischen denjenigen, die wählen und den Bürgern, die nicht wählen, auch in unserem Land immer größer wird und direkt mit dem Einkommen, dem Anteil an den Produktionsmitteln und der Erziehung gekoppelt ist, kurz: Die Unterschicht mit den dreckigen Jobs und der niedrigsten Bildung wählt nicht, während die Bürger, die noch am Wohlstand der Gesellschaft und Erziehung teilhaben, die.... gehen zur Wahl.


Wie sehr "Erziehung" und die Bewertung von Informationen selbst in einem Land wie die Bundesrepublik einen Unterschied machen können, sieht man an der versuchten Schulreform in Hamburg. Dort mussten die Bürger entscheiden, ob die 4 Jahre Grundschule auf 6 Jahre ausgedehnt wird, was eine Angleichung von Bildungschancen ermöglicht hätte. Nun, es ist in erster Linie das Bildungsprekariat zur Wahl gegangen, da diese scharfsinnig gefolgert hatten, dass ihre Rangen durch die schwachen Schüler aus der Unterschicht Nachteile auf dem Gymnasium und später der Universität haben werden. Aha. Aus dem liberalen Gesindel sind also anständige Bürger geworden <no comment>. Die Hamburger, für deren Kinder eigentlich die Schulreform gedacht war, die konnten anscheinend nicht nachvollziehen, warum das wichtig genug gewesen wäre, um den Arsch Richtung Wahlurne zu bewegen. Und damit erschließt sich in gewisser Art und Weise die Aussage, dass manche Stimmen gleicher sind als andere, abhängig von der Erziehung und verfügbaren Information. Hier hat eine Minorität aufgrund des besseren Verständnis der Sachlage eine Kampfabstimmung zu Lasten einer größeren Bevölkerungsgruppe gewonnen, die über die Wichtigkeit dieser Entscheidung nicht genügend aufgeklärt war. Die Bürger, die gegen die Schulreform gestimmt haben, waren sich bewußt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Anspruch, dass Bildung messbar und damit Teil einer kalkulierbaren Kosten-Nutzen-Rechnung ist (Universität als Ausbildungsbetrieb für die Wirtschaft), der Sicherung der Existenz und Mitbestimmung in unserer Gesellschaft gibt. Hat Frank Zappa wohlmöglich Recht gehabt?