Wednesday, August 20, 2014

Mein Kühlschrank spricht mit mir...

Ich habe letzte Woche einen Ingenieur kennengelernt, der bei einer größeren Firma am "Internet der Dinge" arbeitet, kurz: Die Vernetzung von Alltagsgegenständen, die lustig miteinander über das Internet kommunizieren. Das Gespräch war interessant, denn der gute Mann war sich auch nicht sicher, ob das eine Entwicklung ist, bei der man jubeln oder bitterlich in die Tastatur weinen soll. Der Rasierapparat bestellt automatisch neue Batterien nach, sobald ich eine Reise buche und der Kühlschrank kauft die Milch von alleine ein, sobald diese ausgeht. Das ist eine Vorstellung, die viele Menschen begeistert, denn das verschafft uns Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Rad schlagen und Zierteppiche sammeln. Schön wäre es, aber ich persönlich glaube, dass das Internet der Dinge unser Leben nicht besser oder schöner machen wird. Das Gegenteil ist der Fall und deshalb sei an dieser Stelle noch einmal genussvoll die Geschichte vom smarten Kühlschrank erwähnt, der als Teil eines Botnets von Hackern an der Versendung von ein paar hundertausend Spam-Mails im letzten Jahr beteiligt war. Das ist eine hübsche Anektdote, die aber die grundsätzliche Problematik aufzeigt: Alle derzeitigen Geräte wie Kühlschränke, Unterhaltungselektronikgeräte, Smart-TVs, Thermometer - und vieles mehr- sind manipulierbar und bis 2020 sollen angeblich an die 200 Milliarden Geräte vernetzt sein. Lassen wir einen Augenblick das Privatleben unseres Toasters als Spambot ruhen und reden wir von der unangenehmen Seite des Internets der Dinge.

Die "intelligenten" und vernetzten Haushaltsgeräte haben einen Preis: Der Verlust unserer Privatspähre und individuellen Freiheit, falls überhaupt noch vorhanden. Im Namen der Bequemlichkeit sind wir dazu bereit, beides zu opfern. Übrigens: Das Recht auf Privatsphäre gilt als ein Menschenrecht und ist etwas, mit dem sich die Staatsform "Demokratie" in der Regel brüstet und versucht, sich damit von seinen leninistisch-marxistisch Nachbarstaaten zu unterscheiden, in der das Proletariat und der Parteivorsitzende die Macht hat. Besonders auf die Unverletzlichkeit des Wohnraums wird Wert gelegt, bekannt als ein Bereich, in dem wir uns ungeniert an den Genitalien kratzen können. Eine Überwachung der Wohnung durch technische Einrichtungen und Offenbarung dieser Angewohnheiten gilt als Eingriff in die Privatsphäre, was das Internet der Dinge auch macht. Und wir sollten uns nicht der Illusion hingeben, dass die Daten jeder Bewegung, Einkauf oder des Stromverbrauchs in unseren 4 Wänden nicht gesammelt und von irgendwelchen Shrinks oder Statistikern ausgewertet werden. Daher keine Beschwerden, wenn die Beiträge für Ihre Krankenversicherung steigen, weil der Kühlschrank zuviel ungesundes Zeug nachbestellt hat. Sie wollen einen anständigen Job? Nicht mit ihren Fernsehangewohnheiten und den Büchern in Ihrer digitalen Bibliothek. Die Konzerne werden wissen, wann und mit wem Sie ins Bett gehen, was Sonntags auf dem Essentisch steht, welche Farbe für den Gartenzaun gekauft wurde, welche Krankheiten und Sexspielzeug Sie gebunkert haben: Die Dauer des ehelichen Akts wird nach jedem Gebrauch an die Zentrale gesendet, damit das Produkt verbessert werden kann. Natürlich anonymisiert, die Presseabteilung des Hersteller schwört es!