Saturday, August 16, 2014

Ein Loch in der Erde


Der Irrtum ist in der menschlichen Natur verwurzelt. Nicht ohne Kampf ist er zu überwinden.
U.G. Morrow - Unterstützer des Geradstreckenverlegers


Ich war mal flach!
Einer meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es, haltlosen Theorien und Verschwörungen in der Weltgeschichte nachzugehen. Oder Esoteriker über die Geheimnisse des Pyramidenbaus zu befragen und warum die Baumeister des alten Ägyptens die Maße des Urmeters in Paris schon kannten. Daher ist es bedauerlich, dass es still geworden ist mit den Meldungen aus Sibirien und dem lang verschollenen Eingang in das Innere der Erde. Gerade Löcher in der Erde haben Menschen schon immer beflügelt, höheren Unfug in große Worte zu kleiden: Die Erde ist flach und wenn wir tief genug graben, dann entdecken wir Wunderliches. Zum Beispiel Wesen mit Hörnern, Huf und Mistgabel in der Hand. Waren es Narren, denen wir unbesehen geglaubt haben? Nun, glücklicherweise hat sich die Wissenschaft erbarmt und ist mit rationalem Verstand den abergläubischen Theorien auf den Leib gerückt. Einer der ersten Männer der Vernunft war Halley (November 1656 bis Januar 1742), der auch als Namensgeber eines Kometen herhalten musste. Er hat es als Erstes gesagt: Die Erde ist hohl! Beweise? Kühne Berechnungen des Magnetfeldes, gefolgt vom schallendem Gelächter der nachfolgenden Generationen. Die Schriftsteller haben seine Gedanken zur Hohlwelt jedoch dankbar angenommen und allerlei Gesindel tief unter die Erde gesendet: Mit mechanischen Maulwürfen oder Expeditionen auf Schusters Rappen und selbstgebauten Flößen. Was dazu geführt hat, dass die Flachwelt-Theoretiker Ihre Theorien neu überdacht haben: Die heiligen Schriften der Hohlwelt-Buben berichten, dass die Nazis nach dem zweiten Weltkrieg ein finsteres Reich unter unseren Füßen errichtet haben. Faschistische Kartoffelbauern, die mit dem Rechen auf der Schulter in ihrem Gemüsegarten zur Marschmusik auf- und abmarschieren und sich so auf die Eroberung der Welt vorbereiten. Der Kolonie des Schreckens haben sich natürlich auch die chinesischen Hacker angeschlossen, wie die Spatzen es von den Dächern pfeifen! 


Aber stellt euch einmal vor, wenn die Erkenntnisse tatsächlich neu gedeutet werden müssten? Gibt es eine schwarze Sonne im Mittelpunkt der Erde? Dschungel und barbusige Damen, die an Lianen schaukeln? Gaukelt uns ein hochstehendes Volk lediglich einen glühenden Magmakern vor? Alles ist möglich und die Wissenschaft ist - wie die Kreationisten zu berichten wissen - lediglich eine atheistische Religion, die für hohe Scheidungsraten und Gehirnerweichung verantwortlich ist. Nun, folgen wir einmal diesen erhabenen Gedanken und der Eingang zur Hölle sollte sich tatsächlich in Sibirien befinden: In meiner Vision sehe ich Scharen von Pauschal-Touristen, die sich mit Birkenstock, weißen Tennissocken und Kamera - ahem, Smartphone! - aufmachen, um die Folternkammern der Hölle abzulichten. Und selbstverständlich werden die besten Plätze für das Leben nach dem Tode schon einmal mit Handtüchern gesichert. Und wehe dem Höllenfürsten, wenn das Handtuch auch nur einen Millimeter bewegt wird: Seine Hörner würden sich bei dem Gemecker der Pauschal-Horde stramm nach hinten biegen. 

Übrigens, wer die Geschichte mit der Hölle und der Hohlwelt für unwahrscheinlich hält: Vor etwa 30 Jahren wurden Bohrungen auf der russischen Kola-Halbinsel abgebrochen, da in 14 Km Tiefe der Bohrer durchdrehte - ein Hohlraum, dessen Temparaturen unglaublich hoch waren. Eine Analyse der Störgeräusche ergab: Es waren menschliche Schreie, tausendfach. Die Kartoffelbauern des Schreckens bei Ihren gemeinsamen Gesangsübungen!