Wednesday, September 17, 2014

Modjadji oder der Freie Fall des Regens (3)


I'm not crazy - my reality is just different from yours.
Alice in Wonderland



Anmerkung: So, momentan der letzte Teil - mehr kommt nicht an die Öffentlichkeit von der Geschichte.... ab sofort kommt wieder Fragwürdiges zum Merkwürdigen in diesem Blog *kicher*



Das Kaninchenloch


"Die meisten Menschen zeichnen in ihren hübschen Köpfen eine Karte von der Welt, die sich im Laufe des Lebens mit vielen Details füllt. Aber diese Karte ist nicht die Welt, noch Wirklichkeit, eher der Versuch, diese zu vermeiden." Es ist schwer jemanden zu widersprechen, der gerade einen Sturm in einem Wasserglas erzeugt hat. Da ich nicht trinke und meine Finger von lustigen Pillen und Pilzen mit unausprechlichen Namen lasse, war ich erst einmal bereit mich darauf einzulassen.

"Ich scheue die Wirklichkeit? Der Tisch ist doch wirklich, oder?" Zur Bekräftigung klopfte ich auf den Tisch. "Er ist Teil der Realität, dass ist richtig" sagte die Regenkönigin, "aber..." Sie verdrehte die Augen und kippte den Rest des Espressos hinunter und arrangierte die Gläser und Tassen auf dem Tisch. Vorsichtig geworden, rückte ich ein wenig ab. Sie grinste breit: "Keine Panik, für heute gab es genug Zauberei und Blendwerk, um Ungläubige zu beeindrucken". Dann tauchte Sie den Finger in das Wasserglas und zog eine Linie aus Wasser quer hinter dem Arrangment. "Stell dir einen Blinden beim Zelten vor, der den Weg durch einen Wald zum Fluss sucht." Der Finger fuhr umkreiste elegant das Wasserglas, die Espressotasse und den Milchkaffe. Ein ausgesprochen hübscher Finger an einer hübschen Hand, wie mir auffiel. "Was er hört, ist das Rauschen des Wassers. Bald findet er einen Weg, wie er zum Fluss und wieder zurück zu seinem Zelt kommt, ohne dass er einen Baum berührt." Als ich einwand, dass es keinen Sinn macht als Blinder gegen Bäume zu laufen und dass das Beispiel aus dem 1. Semester eines fragwürdigen Universitätsstudiums ist, sprach sie ungerührt weiter: "Den Kopf hin und wieder gegen einen Baum zu schlagen, hilft oft mehr, als du denkst."

Ein weiterer Weg mit dem Finger um die Requisiten und zurück. "Was du und der Blinde gemeinsam haben, ist ein Netz von Wegen, die zum Fluss und wieder zurück führen!" Sie betrachtete den Wassertropfen auf ihrer Fingerkuppe und fuhr fort: "Selbst wenn der Wald schon lange nicht mehr existiert, rennt ihr auf den eingezeichneten Wegen eurer Landkarte ohne das Fehlen der Bäume zu bemerken." Damit hatte die Regenkönigin nicht ganz unrecht, aber der Blitz sollte mich treffen, wenn ich das so einfach zugeben sollte. "Vielleicht wollen wir nicht alles sehen..." gab ich zu "...aber glaube mir, es ist für die meisten Menschen nicht gut, alles zu sehen und zu wissen." Sie schnaubte abfällig.  "Schnickschnack. Nicht alles sehen zu wollen bedeutet nur, dass du in deinen Selbstbetrug verliebt bist. Das Schlechte und Häßliche in der Welt existiert auch, wenn du es ignorierst."  Daraufhin warf sie einen Geldschein auf den Tisch um die Zeche auszugleichen, stand auf und nahm meine Hand: "Die meisten Menschen haben einfach nur Angst davor, handeln zu müssen. Komm mit, ich zeige dir etwas!" Ich war perplex, aber ihre Hand fühlte sich in meiner Hand so vertraut an, dass ich ganz einfach aufstand und bereit war in das Kaninchenloch zu springen:

„Aber ich möchte nicht unter Verrückte kommen,“ meinte Frater Bartmoss.
Oh, das kannst du wohl kaum verhindern“, sagte die Grinsekatze:
Wir sind hier nämlich alle verrückt. Ich bin verrückt. Du bist verrückt.“
Woher willst du wissen, dass ich verrückt bin?“, erkundigte sich Frater Bartmoss.
Wenn du nicht verrückt bist“, stellte die Grinsekatze fest, „dann wärest du nicht hier.“

Sie zog mich zu dem Gang mit den Toiletten. "Siehst du die Tür?" Alles was ich sah, war eine gewöhnliche, schmutzige und mit Obszönitäten bekritzelte Wand. "Nein" antwortete ich erleichtert und bereitete mich auf einen höflichen, aber bestimmten Rückzug mit einem Austausch von Telefonnummern vor, die man garantiert nicht anruft. "Bist du dir sicher?" wollte sie von mir wissen und winkte ab, als ich zu einer Antwort ansetzte. Anstelle dessen schlug sie mir leicht mit dem Knöchel auf die Mitte meiner Stirn, murmelte etwas Unverständliches und legte ihre Hand über meine Augen. Als ich diese unwirsch wegwischte und noch einmal zur Wand sah, flimmerte diese leicht, wie ein schwaches Testbild aus dem Fernseher, dass unscharf wurde und langsam durch ein richtiges Bild ersetzt wurde. "Soll mich doch der Schlag treffen", dachte ich, das Kaninchenloch hatte tatsächlich eine Tür. Und es war eine echte und richtige Wirtshaustüre aus schwerem, dunklem Holz mit Schnitzereien und milchigen Scheiben. Vorsichtig näherte ich mich und streckte meine Hand langsam aus, um diese zu berühren. Holz, echtes Holz und kein Mörtel mit Schweinereien drauf. Verblüfft drehte ich mich zur Regenkönigin um, aber sie nickte sie mir nur aufmunternd zu. Da fasste ich mir ein Herz und öffnete die Türe...