Friday, December 5, 2014

Die Diarrhö und das Glück

Ladies and gentlemen, most people record songs about love, heartbreak, loneliness, being broke... Nobody's actually went out and recorded a song about real pain. 
Screamin' Jay Hawkins


Seat of Power
Gestern abend fand ich mich mit zwei Damen aus meiner Arbeit in einer Gaststätte wieder, in der mir ein Getränk auf den Tisch gestellt wurde, dessen Ablaufdatum schon 1,5 Jahre her war. Harter Stoff, aber was ein Mann ist... der lächelt milde und trinkt den Stoff. Nun, ich ließ aus Vorsicht die zweite Flasche zurückgehen und mir dann doch einen Kaffee bringen. Meine lieben Leser, was folgte, war eine Nacht des Schreckens mit viel Denkpausen auf dem Sitz der Macht (vulgo: Toilette). Natürlich ist man im ersten Augenblick verführt, diesen Abend mit ein paar kräftigen Flüchen zu bedenken und dem Wirt einen Furunkel in Königsgröße an dessen Hintern zu wünschen, kurz: Den Tag komplett aus dem Gedächtnis zu streichen und hoffen, dass das Licht des morgigen Tages einen Lottogewinn von ausreichender Größe bringt, damit der Schmach vergessen ist. Aber näher betrachtet, war es ein prächtiger Abend. Und das hängt viel mit der Wahrnehmung und der Frage nach dem Glück zusammen. Hä? Die hundsgemeine Diarrhö und Glück?

Ich gestehe ein, dass es ein schwieriges Thema ist, über das sich eine Menge gelehrte Köpfe das Hirn zermartert haben (ahem, das Glück - nicht der flotte Heinrich). Ein oller griechischer Stinkstiefel namens Aristoteles hatte da die Theorie, dass Glück von äußeren und inneren Faktoren abhängt. Ohne hochtrabende Worte zu verwenden: Sobald ich Essen im Magen habe, ein Dach über den Kopf und meinen Schniedel mit Stoff bedecken kann (äußere Faktoren) und meiner Bestimmung entsprechend lebe (innere Faktoren), wird sich das Glück von alleine einstellen. Aha. Auch wenn ich ein kleines Licht im Angesichts der zahlreichen Götter des schwerwiegenden Wissens bin - ich wage da zu widersprechen. Da Aristoteles das ganze noch an gewisse Rahmenbedingungen wie ein vernünftiges Gesellschaftssystem gekoppelt hat, das zudem tugendhaft sein sollte... alleine daran scheitert schon die heutige Menschheit. Erstens würde vermutlich die Erde dauerhaft beben, sobald mehr als ein tugendhafte Politiker in einem Wahlkreis zu finden ist, und zum zweiten war mein Schniedel auf dem Sitz der Macht nicht mit Stoff bedeckt, das Essen war nicht mehr im Magen und trotzdem war ich in einer gewissen Art und Weise glücklich. Was natürlich kein Beweis im traditionellem Sinne ist, aber zu einer eigenen Definition des Glückes in den Momenten der Peinlichkeit geführt hat.

Ich glaube, dass Glück in der Kunst besteht, kurze Momente im Fluss des Lebens wahrzunehmen und diese im Gedächtnis zu behalten - nennen wir es die Kunst der Selektion! Der erste Sonnenstrahl des Tages auf deinem Gesicht oder der Wind, der in einer Sommernacht über den nackten Rücken streicht, das Lächeln eines Menschen, ein gutes Essen oder ein vertrauliches Gespräch. Das Leben ist eine Aneinanderreihung von vielen kleinen Momenten und die Frage, die sich am Ende des Lebens stellt: "Warst du ein glücklicher Mensch?" kann nur dann positiv beantwortet werden, wenn man sich tatsächlich an diese Augenblicke des Glücks erinnert. Und der Abend hatte - neben einiger grauenhafter Aspekte - durchaus sein gerüttelt Maß an schönen Augenblicke. Und egal wie kurz diese sind: Erinnert euch dran, selbst wenn ihr auf dem Sitz der Macht zuweilen gefangen seid. Es sind kostbare Preziosen, die man nicht hoch genug schätzen kann.

Und für die Verzweifelten unter euch einen kleinen Song vom Meister, dem das Gegenteilige passiert ist: