Sunday, December 14, 2014

Rezension: The Librarians (2014)



Mein Herz schlägt für das Phantastische, sei es Filme, Bücher, Comics oder Hörspiele. Und solange ich dabei unterhalten werde, bin ich auch bereit, Kröten in Sachen Glaubwürdigkeit zu schlucken. Eine genau durchdachte Handlung? Ein Plot? Sehr gute Schauspieler? Sind mit Sicherheit ein Plus, aber nicht nötig, solange man mit einem gewissen Einfallsreichtum und Kreativität eine Geschichte erzählt. Und genau daran mangelt es bei einer TV-Serie, deren ersten Folgen gerade angelaufen ist: "The Librarians". Meine Hoffnung war groß, dass sich hier eine TV-Serie findet, die mich über die Dunkelheit der Wintermonate bringt. Angekündigt war eine Mischung zwischen Indiana Jones und Warehouse 13, sprich: Gefährliche Artefakte, alte Mythen und Legenden, Kämpfe und Exkursionen in exotische Länder. Schöne Frauen mit trügerischen Herzen, schwer bewaffnete Bibliothekare und geheimnisvolle Kämpfer, kurz: Das ganze B-Movie Programm mit cheesy Plots und Explotations.


Nach den ersten 15 Minuten war klar, dass meine Erwartungen und die Serie keine Freunde werden würde, obwohl vieles davon gleich in den ersten beiden Teilen zu sehen war. Ich war schwer entäuscht und schon bereit vom schlechtesten Piloten aller Zeiten zu reden, aber konnte mich im letzten Augenblick zügeln. Ich war lediglich mit der falschen Erwartungshaltung an die Serie herangegangen und um gerecht zu bleiben: Ich denke, dass man die Serie auf sehr unterschiedliche Art und Weise betrachten kann und muss. Sie ist harmlose Familienunterhaltung, hat die Unschuld alter Disney Klassiker und macht daher Spass zu sehen: Ein paar Schenkelklopfer, Duelle mit fliegenden Schwerter, die bösen Buben tragen schwarz und alle Klichees, die man von einem Indiana-Jones-Warehouse-Setting erwarten kann, werden bedingungslos erfüllt. Man kann mit der Großmutter, Kinder unter 10 Jahren und dem Pfarrer gleichzeitig vor der Flimmerkiste sitzen und muss sich nicht fremdschämen. Klasse Sache!

Auch die Geschichte und Ausgangssituation ist nicht ganz unbekannt oder neu: Wieder einmal existiert eine uralte Organisation, deren Lebenszweck diesmal es ist, Artefakte aus dem Verkehr zu ziehen und zu lagern. Denn Magie wird in den Händen von Bösewichtern zu einer Gefahr für die ganze Menschheit werden! Das Hauptquartier ist eine unterirdische Bibliothek, deren Eingang - Wer hätte das gedacht!? Geniestreich!- in einer öffentlichen Bibliothek zu finden ist. Und alsbald werden als Arbeitsentlastung für den Bibliothekar in seinem einsamen Kampf ein Team zusammengestellt, dass diesem hilfreich zur Seite steht: Es findet sich ein Ölarbeiter, der einen unglaublich hohen IQ und Wissen über die Kunst und Architektur der letzten Jahrtausende hat, eine Anti-Terror Agentin, ein Dieb mit Hang zur Technik, ein Mädel mit dem "Big Data Verarbeitungs" Gehirn, yadda, yadda. Klar definierte Archetypen, die keine Überaschung darstellen. Das gilt auch für den Feind: Eine geheime Gegenorganisation, die Magie wieder in die Welt bringen will und wohl für spannungsrelevante Szenen in den weiteren Folgen sorgen soll. 

Meine Schwierigkeit mit der Serie ist: Ich bin keine 13 Jahre mehr alt oder ein hart arbeitender konservativer Familienvater, der sich an einem Freitag mit dem Pfarrer, der Großmutter und drei minderjährigen Kindern eine Auszeit vor dem Fernseher nimmt. Daher gibt es jetzt ein paar harte Worte im schwierigen Frater Bartmoss Style über den ersten Eindruck von "The Librarians" and the Crown of King Arthur zu lesen.

Das Script war zum Heulen, die Dialoge zum Vergessen und die Choreographie der Kampfszenen waren hart an der Grenze zum Unerträglichen. Ich habe auf Youtube schon bessere Kampfszenen mit Liferollenspieler und Cosplayer gesehen - und die können die Latte schon ziemlich tief legen. Die Effekte waren teilweise richtig bescheiden und wären für die späten 70er noch ok gewesen - für das Jahr 2014 nicht. Und die Schauspieler? Persönlich verfolge ich bei Trash-Serien einen einfachen Ansatz mit Unzulänglichkeiten in der Darstellung: Solange die Mädels hübsch, die Kerle knackig sind, wenig geredet wird und es ein paar flotte One-Liner gibt, kann ich damit leben. In "The Librarians" fällt mir das schwer, selbst wenn es deutlich zu erkennen ist, dass manche Darsteller bedauerliche Opfer des Drehbuches sind. Bei einigen Darsteller würde ich mir wünschen, dass diese die Schauspielerei an den Nagel hängen und endlich ihrer wahren Berufung als Kellner in einer Frittenbude nachgehen. Allen voran Rebecca Romjin, welche leider die Rolle des weiblichen Leads hat. Sie spielt Eve Baird, einen NATO "counterterrorism" Offizier und hat ihre besten Momente, wenn Sie schweigt, von hinten zu sehen ist und nicht kämpft. Ein zu hartes Urteil? Ihre Rolle basiert auf dem Archetypus eines Kämpfers, sie ist der Brawler und Beschützer der Truppe - wieder einmal merkt man allzu schnell, dass ein hübsches Botox-Gesicht nicht physische Präsenz und das Gefühl für Bewegung ersetzt. Der Stock in Ihrem Hintern ist vermutlich auch für den etwas hölzernen und herben Ausdruck verantwortlich, wenn sie ihre Dialoge zum Besten gibt.

Nun, kurzes Verdikt: Die Serie steht am Anfang und kann sich noch entwickeln - vor allem, wenn jemand die Drehbuchautoren feuert, die für den Piloten verantwortlich waren. Wer auf Filme des Disney Channels steht, ist hier gut aufgehoben, jedoch: Die Musik ist der pure Schmalz und die Dialoge gehen selten über die Qualität heraus, die ein selbst geschriebenes Theaterstück der Klasse 5B am Tag der offenen Tür aufweist.