Wednesday, July 4, 2012

Fug und Unfug (1)

Ein paar Tage freie Zeit und schon geht man wieder seltsamen Grillen nach, ist geschäftig in Gebieten unterwegs, die man mit gesunden Menschenverstand versucht zu meiden. Oh süßer Widerspruch, denn einer der Gebiete, in denen ich zur Zeit wildere ist "Kritisches Denken", ein Manifest für diszipliniertes Denken, dass sich selbst korrigiert und überwacht. Nicht meine stärkste Seite, ich gestehe es ein. Generell kann man sagen, das kritische Denken versucht eine emotionale und intellektuelle Distanz zwischen einen selber und dessen Ideen zu bringen, um damit Validität, Wahrheit und Grad der Vernunft von Aussagen besser beurteilen zu können. Es ist eine Handlungsanweisung für eine bessere und schönere Gedankenwelt. und ein nützliches und extrem effektives Werkzeug in manchen Bereichen der Wissenschaft. Für viele ist es die beste Erfindung seit geschnittenes Brot, wenn es um die Bewältigung der Aufgaben im Zeitalter der Information geht. Dem ersten Mal bin ich diesem Gedankengebäude allerdings im Zeitalter des Wettrüstens begegnet: DDR und Sowjetunion gab es noch, kalter Krieg, schlechte Mucke im Radio und - mein Standardspruch - ich hatte sogar noch Haare auf dem Kopf.


Ein Ingenieur - schon damals mit wenig Haaren - war so mutig und hatte mir mit Eselsgeduld versucht zu erklären, warum kritischen Denken unabdingbar für die berufliche Laufbahn von Technik-Nerds sein wird. "Interessant, kurios und nützlich" dachte ich mir und lebte mein Leben zufrieden ohne dem weiter. Was mir nicht wirklich bewußt war ist, dass Kritisches Denken für viele Anhänger eine religiöse und sprituelle Erfahrung ist, frei nach dem ollen Marx: Wenn Religion Opium für das gemeine Volk ist, dann ist "critical thinking" Lysergsäurediathylamid für den Wissenschaftler *ächz*... das geht schöner, aber der Zweck heiligt die Mittel: LSD und Opium in einem Satz mit Religion und Wissenschaft untergebracht. Und ich denke, dass der Satz ein Körnchen Wahrheit enthält. Daher eine weitere unhaltbare Hypothese frech an das Tor der Unvernunft genagelt:

Die Leere in den Herzen der Anwender wird durch die spirituelle Erfahrung von Objektivität gefüllt,  die sich durch den Gebrauch von Logik und Verstand in der Welt manifestiert!

Was ich mich frage, ist folgendes: Wieviel Logik und objektives Denken braucht es, damit ich die Welt verstehe? Kann es sein, dass die Vertreter des kritischen Denkens zu einer lockeren Glaubensgemeinschaft mutiert sind und bestimmte schriftliche Überlieferungen falsch interpretieren? Ist Logik das Maß aller Dinge zu erklären,  warum mir die Frau meiner Träume am Vortag um den Hals fällt und am nächsten Tag den mitgebrachten Blumenstrauß links und rechts um die Ohren haut? Hilft kritisches Denken die Angst zu bekämpfen, wenn der Zahnarzt mit einer rostigen Zange in der Hand und boshaften Funkeln in den Augen einen auffordert den Mund weit zu öffnen?

Die Fortsetzung gehobenen Unfugs findet sich hier....