Monday, March 17, 2014

There will be an app to make that all better. Some day!

Bruce Sterling hat eine sehr interessante Rede gehalten, über die ich gestolpert bin. Ich persönlich halte Ihn für ein arroganten, selbst eingenommenen Pinsel, der sich selber für zu wichtig hält…. He! Ähnlichkeiten mit meiner Person sind rein zufällig! Aber er kann schreiben und ist ein faszinierender Denker in meinen Augen. Da ist eine Weisheit in seinen Worten, die ich ihm eigentlich nicht zugestehen möchte, obwohl er ein paar meiner Lieblingsbücher in Sachen Cyberpunk geschrieben hat. In seiner Rede hat er unter anderem angemerkt, dass auf den Vorträgen und Präsentationen, die er besucht hat, kein Mensch mehr das Wort PC in den Mund genommen hat, und ein Apple Computer nur noch “Apple” genannt wird. Ein wunderbarer Vorwand, um mal wieder ein wenig über das digitale Zeitalter zu schimpfen, obwohl ich eigentlich eine Zeitlang nicht mehr darüber schreiben wollte. Es frustriert mich geradezu, zu sehen, welche Entwicklungen mit der digitalen Vernetzung unserer Welt stattfinden. Die Enthüllungen eines Edward Snowden zeigen nur die Spitze des Eisbergs, aber um in Übung zu bleiben.... Zetern in gehobener Form!


Der PC hat seine Bedeutung verloren und ist am Aussterben. Aber warum redet auf einer Convention der Film-, Musik und Interaktiven Medien Industrie mit 16.000 Teilnehmer keiner mehr von diesem “amazing device”? Und Bruce Sterling hat eine Antwort, die nur auf den ersten Blick einfach erscheint: “Weil keiner einen Computer mehr haben will”. Und da hat er Recht: Personal Computer sind technische Relikte der vorhergehende Generationen, denen es an mehreren Sachen mangelt: Man kann diese nur schlecht unter den Arm klemmen, aus der Tür rausgehen und 200 Meter weiter schon das erste Mal auf der Social Media Plattform seiner Wahl nachsehen, ob sich die letzten 10 Minuten etwa eine Statusänderung getan hat. Unsere Art und Weise zu kommunizieren und an der Gesellschaft teilzuhaben hat sich geändert. Damit keine Illusionen aufkommen: Über was wir kommunizieren hat sich nicht geändert. Wir lästern immer noch über den dicken Hintern unserer Nachbarin, ein Thema, das auch schon den Babyloniern vor über 4000 Jahre wichtig war. Nur halt jetzt von unterwegs und mit Möglichkeiten gesegnet, von denen die Tratschtanten der vorherigen Jahrhunderte feuchte Träume bekommen hätten. Und so fantastisch die Erfindung des PCs auch ist, diese verhindert, dass wir am wirklichen Leben draussen teilnehmen können. Licht, Sonnenschein, Wetter, der Geruch und die Stimmen echter Menschen. Man ist nicht mehr an seinen Schreibtisch gebunden, kann sich jederzeit mit dem Rest der Menschheit via Internet verbinden, und der Gewinn ist erhöhte Mobilität und Verfügbarkeit. Aber zu welchem Preis?

Wir entwickeln uns wieder in eine Nomaden Gesellschaft, in der man von Weidergrund zu Weidergrund aka Arbeitsplatz zieht, und man nur das Nötigste mitnehmen will. Denn Mobilität ist in der modernen Arbeitswelt gefordert (man lese sich die erbaulichen Details in den Essays der Personaler durch…*würg*) und Smartphones, Tablets, Notebooks oder bald Google Glas spielen eine große Rolle im Umbau und Entwicklung von einem sesshaften Menschen zu einem Nomaden. Ein Freund von mir hat dieses Dasein schon vor Jahren ganz bewußt angestrebt und zu diesem Zweck immer einen USB Stick um den Hals, auf dem sein ganzes Leben war: Alle nötigen Dokumente, Arbeitsnachweise, Bilder, Arbeiten, was immer ihm wichtig war wurde digitalisiert und am Leib getragen. So konnte er am einem beliebigen Morgen zur Tür hinausgehen und 1000 Km weiter einen neuen Job annehmen. Er nannte das Freiheit, ich den ersten Schritt zu einem modernen Sklaven mit 100% Verfügbarkeit. Nun, ist das Glas halbleer oder halbvoll? Beides zur gleichen Zeit, um das einmal fürs Phrasenschwein anzumerken. Denken Sie darüber nach!

Aber das Aussterben des PCs hat für mich hauptsächlich mit folgender Tatsache zu tun: Er ist immer noch ein Gerät von Spezialisten für Spezialisten entwickelt. Vor allem in den Anfangstagen war die Bedienung eines Computers verbunden mit dem Erlernen einer Geheimsprache, die nur wenige verstanden. Der PC wurde erst mit der Entwicklung einer grafischen Benutzeroberfläche zu einem Gegenstand, der fast in jedem Haushalt zu finden ist. Aber auch damit musste man sich beschäftigen, notfalls einmal einen neuen Treiber installieren und wenn man irgendwo in den Einstellungen herumgepfuscht hatte, war es oft unmöglich für einen interessierten Laien, das rückgängig zu machen, kurz:  Obwohl der PC einfacher mit der Maus zu bedienen war, als mit der Eingabe von kryptischen Zeichen in Befehlszeilen, war er weit davon entfernt, ideal zu sein. Das hat sich mit Steve Jobs - dessen Namen zukünftige Generationen verfluchen werden - und den Tablets und Smartphones geändert. Einfach und intuitiv zu bedienen, den Lernprozess und die Lernkurve so niedrig wie möglich. Der Erfolg hat ihm Recht gegeben. Technik die begeistert, weil diese einen Minimalaufwand an geistiger Beweglichkeit erfordert. Und so muss es sein, oder? Definitv, aber die neuen Geräte und Erfindungen machen unsere Welt und unser Leben nicht automatisch besser, auch wenn wir uns gerne dieser Illusion hingeben. Sterling sagte in dieser Rede, dass die Welt eine tragische Komponente hat:

“It is fatuous to think that culture, or politics, or society, or technology always get better. It’s just not true.”

Ohne Zynismus zu bemühen, ganz nüchtern und rational, schließe ich mich dieser Meinung an. Ich persönlich glaube, dass wir mit der immer größer werdende Integrierung der modernen Geräte in unserem Alltag eigentlich ein Pakt mit dem Teufel eingehen. Kühlschränke, die automatisch Milch nachbestellen, wenn diese ausgeht... ein Albtraum. Oder er öffnet sich wohlmöglich nicht: "Frater Bartmoss, du hast heute schon zuviele Kalorien zu dir genommen" Ha, die Shotgun im Haus erspart den Ernährungsberater sicherlich! Aber um zum Teufel zurückzukommen. Seine stärkste Waffe ist die Verführung und hört auf "Bequemlichkeit"  In Ihrem Namen tauschen wir Schritt für Schritt unsere Unabhängigkeit und Freiheit gegen eine einfachere Bedienung von Geräten ein, die unser Leben definitv nicht besser oder einfacher machen. Auf dem PC kann ich entscheiden, was installiert oder deinstalliert wird, welchen Informationen ich über mein Leben dem Internet preisgebe oder welche Inhalte ich mir ansehen darf. Also wieder zurück zum PC? Nein, es ist ein Dinosaurierer und zu Recht zum Aussterben verdammt. Aber es gibt Hoffnung:

“There will be an app to make that all better. Some day”





Wen die Rede interessiert (Dauer eine Stunde und es zieht sich ein bisserl, bis er in die Gänge kommt):