Sunday, July 21, 2013

Das Wort zum Sonntag

Sonntag Abend, der Montag droht mit Fremdbestimmung in Form von Arbeit. Zeit also für ein paar Phrasen und mit zitternder Stimme wider des "pösen" Kapitalismus zu wettern. Denn dieser goldene Apfel ist in seinem Inneren faul, dass sage ich euch. Frei nach Chesterton: "Das Problem mit dem Kapitalismus ist, dass es zu wenige Kapitalisten gibt", sprich: Menschen die am Reichtum unserer Gesellschaft teil haben.

Wie ich darauf komme? Unter anderem ein Bericht, der besagt, das Praktikanten in Brüssel für bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung gestreikt haben. Nach 17 Jahren Schule und Universität, mehrere Fremdsprachen, Auslandsaufenthalten und andere Kleinigkeiten, fristen gut ausgebildete Menschen Ihr Dasein mit EUR 500 - EUR 700 im Monat - nennt es eine unglückliche Kombination von befristeten Arbeitsverträgen und dem Prinzip Hoffnung. Das ist bitter und im übrigen nicht nur ein Alleinstellungsmerkmal von Brüssel: Andere Städte, gleiche Unsitten. Es gibt genügend Freunde und Bekannte, die das lustige "Praktikanten-Karussell" mit der Mohrrübe "Festanstellung" mitgemacht haben.

Meiner Meinung nach - die natürlich keinen Anspruch auf objektive Wahrheit enthält -, hat sich über die Jahre eine Kultur der Arbeit in Europa etabliert, die man hinterfragen muss. 1-Euro Jobs, Leiharbeit und Praktikantentum - alles Arbeitskräfte für lau, die ohne zu murren Stein auf Stein schlichten und nicht die kostbaren Bilanzen versauen. Ob der Pyramidenbau auch eine angeschlossene Agentur für Arbeit hatte? Ein Institut für die Zwangsvermittlung von Arbeitnehmer? Aber ich denke dass Stichwort ist gefallen: Bilanzen und die Unverschämtheit der Arbeitnehmer reelles Geld für geleistete Arbeit zu wollen. Das Arbeitsvolk auf Zeit wird nicht mehr nur kurzfristig genutzt, um Produktionsspitzen aufzufangen, sondern um eine Gewinnmaximierung auf Kosten der Arbeitnehmer und letzten Endes der gesamten Gesellschaft zu betreiben.

Uralte Überlieferungen eines antiken Zeitalters
Und das ist bedauerlich, denn trotz meines gepflegten Zynismus bin ich ein alter Narr, der sich romantische Vorstellungen leistet. Eine davon ist es, dass Arbeit bezahlt werden sollte, selbst wenn man das Geld einem Arsch in die Hand drücken muss. Eine zweite Vorstellung ist es, dass Menschen in einem Unternehmen mehr sind, als eine unangenehme Kostenstelle, um die man sich nicht drücken kann, oder anders gesagt: Die Reduktion des Menschen auf eine Zahl ist, was John Brunner "das Phänomen des absoluten Bösen" nennt und uns zur modernen Sklaverei führt (The Shockwave Rider). Und Schande über mich und meine noch zu zeugenden Nachkommen: Die Idee der Leiharbeit fand ich in den ersten Anfängen nicht verkehrt. Der Lohn war exzellent (über dem Durchschnitt der Festangestellten) und nach 2 Monaten war wieder Ruhe und Geld ausgeben angesagt. Praktika hatten im Regelfall Festanstellungen als Folge. Güldene Zeiten, hach! Sind die Unternehmen im Hier und Jetzt zu gierig, meine Damen und Herren?

Unheil verkündende Trommelwirbel, Auftritt des griechischen Chors, der das Geschehen kommentiert: "Die Gier, das lob ich mir!". Oups, was? Richtig, Gier ist in Maßen eine klasse Sache. Es ist der Motor, der uns Konsumenten vor Glück im Kreis drehen läßt, denn "Ich begehre, also konsumiere ich!". Solange die Menschen in den Laden rennen und Sachen einkaufen, die sie eigentlich niemals brauchen, solange geht es der Wirtschaft, der Gesellschaft und mir gut. In meinen Augen ist nicht die Gier das Problem und die Wurzel des Übels, sondern eine gewisse moralische Verwerflichkeit, die für ein paar Cent mehr im Monat bereit ist, die Würde des Menschen mit Füßen zu treten. Was ich vielleicht zum Abschluss nicht verschweigen sollte:

Slavery - gets shit done!


Hrhr.