Tuesday, July 30, 2013

Die Vernetzung der Welt


Obwohl ich hin- und hergerissen bin und das Buch sehr zwiespältige Gefühle bei mir hinterlassen hat, spreche ich eine klare Kaufempfehlung aus. Ich glaube, dass man Die Vernetzung der Welt gelesen haben sollte, da es voller Wissen und interessanter Geschichten steckt und weil wir alle an der Zukunft interessiert sein sollten: Eines Tages werden wir schließlich darin leben.

Es ist auf jeden Fall eine schöne Abwechslung, einmal ein Buch in der Hand zu haben, dem man anmerkt, dass es von Menschen geschrieben worden ist, die sich professionell mit dem Internet und dessen Möglichkeiten beschäftigen. Auf der anderen Seite habe ich mir mehr von den zwei Autoren erwartet, die maßgeblich an der Entwicklung unserer digitalen Zukunft beteiligt sind. Auch wenn es im ersten Augenblick wie ein Widerspruch klingt: Die größte Schwäche des Buches ist die Anhäufung von Argumenten für und gegen die Möglichkeiten, die das Internet bietet.


Relativ früh im Buch findet sich zum Beispiel eine Aussage, die im ersten Augenblick unscheinbar unter all den Ideen und Worten des Buches wirkt, fast untergeht und schnell überlesen ist. Sinngemäß heisst es, dass die meisten Menschen keine Vorstellung davon haben, wieviel Macht Google, Amazon und Apple tatsächlich haben. Und das ist - für mich - eine der wichtigsten Aussagen im Buch und zeigt, warum der Orginaltitel "The new digital Age, Reshaping the Future of People, Nations and Business" so gewählt wurde: Unter unseren Augen findet ein kultureller Wandel statt, der die Erfindung des Buchdruckes weit in den Schatten stellt. Die Machtverhältnisse von Bürger, Staat und Unternehmen der Wirtschaft werden neu definiert. Die Kontrolle über das Internet ist der entscheidende Faktor, oder besser gesagt: Wer die Informationen kontrolliert, abrufen und richtig interpretieren kann, wird mehr Macht über die Gesellschaft und den einzelnen Bürger haben, als es bisher im gesamten Verlauf der Menschheitsgeschichte möglich war. Das ist die Quintessenz des Buches, die immer wieder zum Vorschein kommt. Und das führt wiederum zu der genannten Schwäche des Buches: Die Rolle und Vorstellungen der heutigen Global Player an der Neugestaltung unserer digitalen und analogen Zukunft bleiben in dem Buch seltsam blass, oder anders gesagt: Es gibt nicht genügend Raum bei all den Beispielen, Geschichten und Argumente. Es bleibt das subjektive Gefühl, dass den Autoren bewußt ist, an einer Zukunft unserer Welt mitarbeiten, deren Konsequenzen weitreichend und in großen Teilen unschön für viele Menschen sind.

Fazit: Es macht Spass zu lesen, wie die Autoren wortreich und intelligent über den Segen von Mobilfunk-Telefonen in Afrika oder denkende Kühlschränke berichten und wie sich Dikaturen zusammentun werden, um die Technologie zur Überwachung Ihrer Bürger zu finanzieren. Unkritisch sollte man dem Buch und dessen Inhalt jedoch nicht gegenüber stehen: Die digitale Vernetzung unserer Welt wird mehr als einmal als ein Allheilmittel und heilsversprechende Ideologie dargestellt, die auf lange Sicht unsere Weltprobleme lösen wird.