Tuesday, July 9, 2013

Netrunner: Nachrichten aus der digitalen Unterwelt

In den letzten Wochen war ich nicht nur schwer beschäftigt mit den harschen Anforderungen unserer analogen Welt, sondern auch mit Datendiebstahl und dem Einbruch in gut geschützter Computersysteme.

An die Pappnasen Fraktion NSA: Selbstverständlich spreche ich hier über ein Kartenspiel. Datendiebstahl in der wirklichen Welt würde Kenntnisse voraussetzen, die ich niemals erworben habe. Hört ihr? Ich bin ein DAU (Dümmster Anzunehmender User)! 

Das genannte Spiel ist Android Netrunner: The Card Game und wahrlich ich sage euch: Geiles Game. Die erste Version kam vor etwa 15 Jahren als normales Trading Card Game auf den Markt und das Design war für die damalige Zeit klasse, finster und stimmig: Cyberpunk von der feinsten Sorte. Am ehesten kann man das Setting als eine Mischung zwischen Bladerunner und Neuromancer beschreiben. Riesige Konzerne bestimmen das Leben auf der Erde und das Internet hat sich zu einem gigantischen Netzwerk entwickelt, dass auch die Kolonien im Sonnensystem umfasst. Es ist der Spielplatz für Hacker und Runner, Kriminelle und digitale Wüstlinge, die versuchen ihren Anteil an Credits für das tägliche Überleben abzustauben.

Copyright: FF Games
Interessant ist, das Netrunner ein asymmetrisches Spiel ist. Eine Partie besteht aus zwei Runden. Man übernimmt einmal die Rolle des Runners, der mit spezieller Software, Ausrüstung und Resourcen versucht die Agendas der Corporation zu stehlen. In der zweiten Runde spielt man dann die Corporation, deren Ziel es ist, die besagten Agendas durchzubringen. Diese werden durch ICE (Intrusion Countermeasures Electronics) geschützt, auf Deutsch: Sicherheitsprogramme, die den Zugriff von Hackergesindel verhindern sollen. Beide Parteien haben eine bestimmte Anzahl an Aktionen, die diese für Kartenziehen, das Ausspielen von Karten oder einem Run auf die Server zu Verfügung haben. Da die Corporation ihre Karten versteckt ausspielt, ist nicht nur Strategie, sondern auch die Kunst des Bluffens gefragt.

Was noch zu erwähnen ist: Es ist Living Card Game (LCG) von Fantasy Flight Games, dass heisst, dass regelmäßig Erweiterungen auf den Markt kommen. Man kann diese kaufen, muss aber nicht, denn die Grundbox reicht für den heimischen Herd sehr lange aus. Das ändert sich jedoch, wenn man ernsthaft auf Turniere will: 2x die Grundbox ist das Minimum. Im Gegensatz zu den Erweiterungen sind in der Grundbox nicht alle Karten in der maximal erlaubten Anzahl enthalten. Verständlich, da das Unternehmen Geld verdienen will, aber ärgerlich für mich als Spieler, der für die Basics zusätzliche Kröten auf den Tisch legen muss.

Wer auf abgefahrene Kartenspiele mit asymetrischen Spieldesign steht, bei denen nicht nur Glück, sondern auch Köpfchen gefordert ist, wird keinen Fehlgriff mit Netrunner machen. Das Spielprinzip überzeugt nach wie vor und das neue Design ist ansprechend. Einfach zu erlernen, hart zu meistern.

P.S. Wer dem Englischen einigermaßen mächtig ist, kann sich dieses Youtube Video geben, das von zwei Jungs aus einem Spieleladen kommentiert wird. Für einen ersten Einblick reicht es...