Monday, June 11, 2012

Die Bösen Genies für eine bessere Zukunft (2)

Und weiter geht die wilde Jagd nach unhaltbaren Theorien und fragwürdigen Spekulationen. Nur eines vorne weg: Der Text ist seltsam und für Leser mit einem sonnigen und schlichtem Gemüt vermutlich ungeeignet.

Faust ist kein Mitglied der Bösen Genies für eine bessere Zukunft, er ist Mittel zum Zweck: Ein Objekt, dass zur Erhöhung des sozialen Prestiges von Mephisto benutzt wird. Und die Bösen Genies? Was ist, wenn deren Grad der Boshaftigkeit lediglich darüber definiert wird, eine autonom gebildeten Meinung über die Natur der Dinge, über Kultur und Gesellschaft zu haben? Nein, bestimmt nicht. In Wirklichkeit ist es ein Künstlerpack, dass sich eitel vor dem Spiegel dreht. Brüder im Geiste von Mephisto.

Betrachten wir den Schurken einmal als Künstler, sein Verbrechen als Kunstwerk und die "guten" Superhelden als Kritiker an diesem Kunstwerk, dann werden gewisse Mechanismen im Kampf zwischen Gut und Böse wesentlich klarer. Der Künstler ist voller Leidenschaft und steht vor dem Problem wahrgenommen zu werden, das Interesse an seiner Kunst zu wecken. Nicht ohne Grund hält der Bösewicht stundenlange Reden vor dem - üblicherweise - gefesselten Protagonisten. Er hat die trügerische Hoffnung, das Einsicht in den tumben und unsensiblen Helden einkehrt, das Respekt und Anerkennung für sein Werk wächst. Trügerisch in der Tat, vertritt der Held doch die Zensur in Form der Straftatvereitelung.


Der einfachste Weg für einen Künstler das Interesse und die Aufmerksamkeit zu erregen, ist also die Normabweichung, eine Unterscheidung zu allgemein akzeptierten und bekannten Werten zu schaffen. Wer es nicht glaubt, kann sich den angeblichen Eklat von Jonathan Meese auf der diesjährigen Documenta zum Besten geben. Richtig süß, wie er sich für eine Normabweichung abstrampelt, in der Hoffnung, dass dies den Wert seiner Werke erhöht. Kann funktionieren, muss aber nicht. Ist die Abweichung von der Norm zu groß und tritt keine Wechselwirkung mit dem kulturellen Background der Gesellschaft ein, droht der Nimbus der Lächerlichkeit und der Verlust des sozialen Prestiges. Und bei dieser Methode hängt zudem viel von der Kraft der Persönlichkeit ab.

Da die meisten Wissenschaftler das Charisma und die Lebendigkeit von zu altem Ziegenkäse besitzen, wird es wohl über die Schandtaten laufen: Diebstahl und Vandalismus sind die einfachsten Normabweichungen, um eine soziale Relevanz zu schaffen. Unser Sprücheklopfer Voltaire hat diese Grundprinzipien schon formuliert: "Wir haben notwendige Wünsche, notwendige Leidenschaften und notwendige Gesetze, um diese zu unterdrücken..." Notwendige Gesetze, um meinen Wunsch nach Ruhm und Anerkennung zu unterdrücken - euch werd ich es zeigen! Das Böse ist per Definition die Kraft, die ein moralisch falsches Handeln antreibt und somit als Name schon zukünftige Grenzüberschreitungen anzeigt. Die Alternativen dazu als wahrhaft böser Wissenschaftler erkannt zu werden sind nicht gerade erhebend:

  • man spielt Orgel
  • schraubt irre kichernd an einem Orbitalen Gedanken-Kontroll-Laser herum
  • oder hält in den falschen Momenten längere Reden

Das simple Anfügen des Adjektiv "Böse" zum Wissenschaftler reicht vollkommen aus und spart eine Menge Resourcen. Noch einmal mit Genuß: "Die Bösen Genies für eine bessere Zukunft". Das Interesse des gemeinen Volkes ist damit geweckt, eine der Voraussetzungen für eine mögliche Karriere im Kunstbetrieb geschaffen.

Auch wenn man sich den einen oder anderen Spruch von Mephisto ansieht, könnte man Ihn verdächtigen, dass er nach der gleichen Logik arbeitet: "Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft." Kann man das "Gute" mit der "besseren Zukunft" gleichsetzen? Ist die Verführung des Menschen Faust also das Werk eines missverstandenen Künstlers und der Ruf nach mehr Aufmerksamkeit? Dafür spricht, dass Mephisto sich mit dem gewöhnlichen Volk schon gar nicht mehr abgeben will: "Ich mag sogar die armen selbst nicht plagen...." Recht hat, das bringt nicht wirklich Ruhm, aber den Faust... ja, den Knaben nehme ich.

Soundtrack of today: Southside Johnny with La Bambas Big Band, Blakroc und ne Menge Balkan Party Zeuch .