Sunday, June 10, 2012

On the Internet, everybody knows You're a Dog


"I'll tell you all my secrets
But I lie about my past"

"On the Internet, nobody knows you're a dog", was für eine wunderbare Meme, vermutlich aber nicht mehr zutreffend. Das Internet weiß inzwischen sehr wohl, wo der Futternapf steht und welche Dose für die kleine Zwischenmahlzeit gekauft wird. Aber was kann man tun, damit der arme Hund nicht mehr als solcher erkannt wird? Vielleicht ist eine kleine Abwandlung des Themas  Augmented Reality von Hilfe. Gesundes Mißtrauen und Skepsis ist nach wie vor angebracht, aber es ist ein Thema, dass in meinem Kopf feststeckt... und einfach nicht vor die Hunde gehen will (*ächz* das war billig). Wir erinnern uns: Die Verknüpfung von unabhängigen Daten zu einem Gesamtbild, dass unsere Wahrnehmung manipuliert.

Um erfolgreich manipulieren zu können, braucht es Wissen über den einzelnen Menschen oder den Hund. Und das meiste Wissen über uns kommt aus dem Internet: Suchmaschinen, Online-Handel, soziale Netzwerke, Cookies, die IP, dein erstes Youtube Video. Im Prinzip gehe ich einen Handel mit einem schmierigen Gebrauchtwagenverkäufer ein, der ungemein geschickt ist: Nur ein paar meiner Daten - nichts Wichtiges, ehrlich! - gegen eine Serviceleistung. Aus diesen Daten erstellt der Konzern des Vertrauens ein Profil, dass dieser nach Belieben verwenden kann und dafür darf ich seine Suchmaschine benutzen, meine Bilder hochladen, einen Blog betreiben oder mit Freunden chatten. Die zwei Worte, die man sich merken sollte, heißen "nach Belieben". In der Regel wird mein Profil an den Meistbietenden verschachert, der mich dann mit gezielter Werbung plagt.


Das Perfide an diesem Handel ist: Die Konsequenzen für mich sind nicht nachvollziehbar. Wer oder was bin ich? Genauer: Was ist mein Profil in den Datenbanken der Datensammler? Inzwischen gibt es wirklich finstere Sachen auf dem Markt, vor allem die Zweitverwerter der Social Media Branche, die Status und Ansehen eines Menschen im Internet anhand der Anzahl von Freunden, wie oft man zitiert wird und vieles mehr ermitteln. Wer dabei die höchste Punktzahl erreicht, gewinnt einen Toaster.... tut er nicht. Also: Wie werden die Daten miteinander verknüpft? Woran erkennt man den Hund im Internet? Wie sieht das Bündel an Statistiken aus, das zum Beispiel besagt, dass ich als Angestellter zwischen 55 und 60 Jahren wesentlich häufiger Potenzmittel erwerbe, als ein Student mit 21 Jahren. Da mir mehr Werbung für Skateboards, Videospiele und Kleidung für Jugendliche als Viagra und Penisverlängerung angeboten werden, heißt wohl, dass ich im Internet etwas Grundsätzliches richtig und im wirklichen Leben etwas Grundsätzliches falsch mache. Vermutlich, aber da spreche ich nicht drüber: Der Feind liest mit und vergisst nichts. Wohlmöglich unterzieht er meinem Profil in diesem Augenblick einem Update. Paranoia!

Was man tatsächlich an private Informationen preisgeben möchte, muss jeder für sich selber entscheiden. Wer Anonymität wünscht, kann sich am Browser mit "Keine Cookies" spielen, alle Social Media meiden, eine No-Commerce-Suchmaschine verwenden oder Tor Project: Anonymity Online installieren. Genug Möglichkeiten gibt es auch heute schon, nur wenig Spuren zu hinterlassen. Aber genau das ist ein weithin sichtbares Eingeständnis, dass man ein subversives Element in der Gesellschaft ist. Verdächtiges Verhalten, Geheimniskrämerei, da hat einer etwas zu verbergen: Den wedelnden Schwanz zum Beispiel. Auf eine Beerdigung mit einem rosa Häschen Kostüm zu gehen, ist vermutlich unauffälliger. Manche Kreditinstitute verlangen inzwischen für eine Kreditvergabe, dass man den Zugang zu seinem Facebook Account freigibt, der auf "Privat" gestellt ist. Schöne neue Welt.

Ich glaube, dass die beste Tarnkappe im Internet, das Erreichen einer absoluten Anonymität nur durch ein falsches Profil gewährleistet wird, dass auf der Wahrheit beruht. Die Natur der Statistiken ist im Grunde genommen eine Erwartungshaltung und diese kann ich mit den zu erwartenden Daten füttern. Die Kunst ist es dabei nahe an der Wahrheit zu bleiben, diese jedoch mit zusätzlichen Informationen zu augmentieren, um damit die gewünschten Statistiken in den Datenbanken der Konzerne, Datenhändler und Profiteure zu hinterlegen.

Schwierig, das per Hand zu erledigen und zeitaufwendig. Aber wie wäre es mit einem hilfreichen Geist, der regelmäßig und halbwegs autonom im Internet herumgeistert, um dem gierigen Gott der Statistik die geforderten Daten zu geben? Vor Jahren schon hatten sich viele Nerds an der Vorstellung eines persönlichen Agenten berauscht: Ein Computerprogramm, dass regelmäßig die News heraussucht, die uns interessieren, den Einkauf im Onlineshop erledigt und unseren Klagen zuhört, wenn die schöne Nachbarin sich mit Grausen von uns abwendet. Man gibt eine Zielvorgabe aka 50 Jahre, ledig, leitende Stellung ein und der hinterlegte Algorithmus steuert die Webseiten und Werbung an, die dem Archetypus "Geld, Midlife Crisis und Potenzprobleme" zugeschrieben werden.


So eine virtuelle Tarnkappe hätte mit Sicherheit ihren Nutzen und ich wäre einer der Ersten, die diese mit Begeisterung aufsetzen würden. Wie wäre es mit einer anderen Identität? Wer willst du in 6 Monaten sein? Afro-Amerikaner, 21 Jahre, kein Schulabschluss und weiblich? Bekomme ich dann Waffen und Tampons als Seitenbanner-Werbung? Wir werden sehen...