Monday, June 4, 2012

Wer keine weiche Birne hat...

...kauft harte Äpfel aus Halberstadt. Wer hats erfunden? Oder Wörter wie "ächz", "stöhn" oder "grübel" aufgebracht?  Nicht die Schweizer, sondern eine Koryphäe der deutschen Sprache: Erika Fuchs. Auf die Dame - oder besser gesagt den Namen - bin ich das erste Mal in einer obskuren Zeitschrift gestoßen: Das Heft Nummer 66, herausgegeben von einer Organisation namens D.O.N.A.L.D (Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus) vor ungefähr 20 Jahren. In Schwarzweiß, mit der Schreibmaschine getippt, Layout grauenhaft. Mit Beschreibungen von merkwürdigen Freizeitaktivitäten und haufenweise Bilder von Nerds, die Ihren Friseur nicht anständig gezahlt haben. Und das Titelbild, ahem...

Die Urheberrechte für alle Abbildungen von Disney-Bildern liegen bei The Walt Disney Company und Ehapa.


Eine Puplikation zum Vergessen, wenn nicht zwei Sachen gewesen wären: Eine Abhandlung namens "Bildet Lesen?" über Buch und Bildung in Entenhausen, die nicht nur intelligent und humorvoll geschrieben war, sondern auch ein grandioser Mißbrauch der universitären Sprache war. Aber viel wichtiger: Ein Interview mit Erika Fuchs, Ihres Zeichens Übersetzerin der Donald Duck Geschichten von Carl Barks.


Die Sprache der Ducks hatte mich immer fasziniert - eine wilde Mischung zwischen hochgestochener Ausdrucksweise aka "An müßig Spiel gebricht es mir an Zeit!", hundsgemeiner Umgangssprache und klassischen Zitaten. Was ich bis dahin nicht wußte: Das Frau Fuchs diejenige war, die mehr für meine Entwicklung in Sachen Sprache beigetragen hat, als der Bildungsauftrag des deutschen Schulwesens während meiner ganzen Schulzeit. Der Deutschunterricht war panne, und zwar jahrelang. Die Ducks in den Carl Barks Geschichten hatten mehr Charakter als die dramatis personae der unsäglichen Max Frisch Romanen, denen wir ausgesetzt worden sind. Und das lag an - ein von mir selten verwendetes Wort - der Genialität der Übersetzerin. Und natürlich an den Geschichten von Carl Barks, ein Hobby-Soziologe und Zeichner, der die soziologische Topologie amerikanischer Kleinstädte in Form von bunten Bildern gar prächtig aufs Papier brachte.

Aber warum ich das alles schreibe? Erinnerungen eines alten Mannes, Recherche für einen Beitrag und vor allem wegen einer Absage, die Erika Fuchs anstelle einer Teilnahme an einem Kongress der Donaldisten sendete:




Söhne der Unvernunft... was für eine wunderschöne Umschreibung von Nerds, die sich auf Conventions zusammenrotten und Unfug treiben.