Sunday, June 3, 2012

Pythagoras der Lump


"Every man is evil yes and every man's a liar
Unashamed with the wicked tongues sing
In the black soul choir" - 16 Horsepower


Das Schöne am Thema Pythagoras ist, dass es keine verläßliche Quellen gibt. Niemand weiß Genaues und eine Änderung ist nicht in Sicht. Eine fette Beute für Unterstellungen aller Art. Der gute Knabe war mir schon fast aus dem Gedächtnis verschwunden, als eines Tages eine - mir bis dahin unbekannte - Japanerin in der Tür stand und ein Zelt für eine Wanderung einforderte. Fragt nicht. Das Gespräch und die Frostbeulen, die sich bei einer Tasse Kaffee entwickelten, brachten auch Pythagoras Schandtaten wieder ans Tageslicht. Die Gesprächsentwicklung war sehr surreal und amüsant. Also raffte ich mich zu diesem Machwerk auf, das nur einige der unhaltbare Theorien und Merkwürdigkeiten des Abends wiedergibt, zudem auch noch die Buddhisten ins Spiel kamen: Pythagoreer und Buddhisten sind sich nicht unähnlich, Honi soit qui mal y pense

Wer war der Knabe? Pythagoras war der Sohn eines reichen Pfeffersackes, Sprößling eines schmierigen Knechtes des Kapitalismus. Der Makel der Geburt und verzweifelte Abgenzungsversuche gegenüber seinem Vater führten zur Gründung eines Ordens, der - mangels eines besseren Ausdrucks - sehr speziell war.

Einige der Regeln im Orden waren: Keine Bohnen essen, über keine Querhölzer treten, das Verbot auf Landstrassen gehen und einiges mehr. Drei Regeln sind jedoch aufschlussreich, denn diese zeigen das Feld, auf dem diese Fragwürdigkeiten gedeihen konnten: Das Brot nicht zu brechen, von keinem ganzen Laib zu essen und vor allem nichts aufheben, was zu Boden gefallen ist. Aha. Butler, Hausangestellte und die Mutter, die hinter einem aufräumt? Klingelt es?


Pythagoras und seine Buben lebten in einer Gesellschaft, die es sich leisten konnte, lustige Regeln wie die Genannten aufzustellen. Das Geheimnis jedes erfolgreichen Unternehmers und Kultur: Sklavenarbeit. Wenn dir der Hauptteil des täglichen Lebens und Unterhalts abgenommen wird, ist Zeit für Denken und lustige Einfälle keine Mangelware. Drücken wir es so aus: Sollte ich genügend Arbeitnehmer finden, die für ein unverschämt niedriges Gehalt alles für mich heranschaffen und wieder wegräumen, dann werden "Rad schlagen und Drachensteigen" die erste Stufe auf dem Weg zur meiner Erleuchtung sein...

Dumm war der Knabe mit Sicherheit nicht und wie das Leben nun einmal so ist: Was macht man, wenn man das bequeme Leben eines Sklavenhalters führt, vermögend und unter 40 ist? Man erlaubt sich die Grille fragwürdiger politischer Einstellungen. Und so hat Pythagoras flux ein stramm kommunistisches System für seinen Orden entwickelt. Die Höhepunkte:

    • Eigentum im Orden war verboten
    • Frauen gleichberechtigt
    • alles war Gemeinschaftsbesitz (auch das geistige Eigentum)
    • Genosse Vorsitzender Pythagoras ist gleicher als die anderen Mitglieder.

      Geistige Eigentum als Gemeinschaftsbesitz? Aber ja, so hat es funktioniert: Man forschte und dachte gemeinsam vor sich hin und wenn tatsächlich etwas dabei herauskam, gab das Komitee für sinnreiche Sachzwänge eine Verlautbarung heraus: "Unser geliebter Vorsitzenden Pythagoras hat zum wiederholten Male Großartiges geleistet...". Wer nicht schnell genug Beifall geklatscht hat, der wurde vermutlich gezüchtigt oder des Ordens verwiesen. Hatten wir schon erwähnt, dass es keinen Privatbesitz im Orden gab? Jetzt wissen wir warum. Das System hat auf jeden Fall prächtig funktioniert, denn auch über den Tod von Pythagoras hinaus, wurde diesem alle Einfälle und Entwicklungen des Ordens zugeschrieben. Gleichberechtigung, Marxist und Gegner der Demokratie. Kein Wunder dass der Knabe teilweise die Beliebtheit von Fußpilz hatte. Und was fehlt? Richtig, die Wiedergeburt.

      Ausser ein paar Formeln, um Generationen von Schüler das Fürchten zu lehren, sprach er auch davon, das die Seele etwas Unsterbliches ist. Pythagoras ist übrigens ein gutes Beispiel, warum Ideen und Vorstellungen über den körperlichen Tod hinaus existieren und damit quasi Unsterblichkeit erreicht wird (Eitelkeit oder Unsterblichkeit). 3500 Jahre später geht sein Geist immer noch umher und plagt seine Mitmenschen.

      Ich würde keinem der Obigen mein Geld anvertrauen! Seht in Ihre Gesichter....


      Wie auch immer, die Lehre der Pythagoreer war, dass alles Leben in einem Kreislauf wiedergeboren wird. Sei es als Mensch, Pflanze oder als Huhn des Bauern von nebenan (ein Verbot gegen Anfassen von Hühnern gab es auch). Wiedergeburt ist die diplomatische Drohung von "Ich komme wieder! Mein Körper liegt zwar unter der Erde Burschen, aber ich könnte zusehen, wenn Ihr Hand an euch anlegt..." Und damit man als Filzlaus oder Bettwanze nicht ewig mit den Schandtaten seiner Schützlinge konfrontiert wird, ist es die Bestimmung und Aufgabe der Seele, wieder in die "Heimat" zurückzukehren und damit aus dem Kreislauf der Wiedergeburten auszutreten.

      Das kennen wir von einem anderen lustigen Verein, den Buddhisten. Die nennen das Samsara, den Kreislauf des Leidens und deren Ziel ist das Parinirwana. Die Gemeinsamkeiten sind nicht von der Hand zu weisen, vor allem da die Anhänger Buddhas dem gleichen Schindluder ausgesetzt sind wie die Pythagoreer, nur schöner und mit mehr Eleganz:

      • Bestimmte Lebensmittel nicht zu sich nehmen (Pythagoras) oder keine Substanzen konsumieren, die den Geist verwirren (Buddha)
      • Nichts aufheben, was zu Boden gefallen ist (Pythagoras) oder nichts zu nehmen, was mir nicht gegeben wird (Buddha) 

      Pythagoras und der Dalai Lama (Genosse Parteivorsitzender bei den Buddhisten) werden beide als erleuchtete Wesen angesehen, die schon zu Lebzeiten unter den ungewaschenen Massen wandelten.

      Ich denke, dass der Sinn einzelner Regeln bei beiden Schulen der Philosophie nicht so wichtig ist, eher die Idee, die dahintersteckt: Nur mit einer gewissen Lebensführung und der Verzicht auf bestimmte Dinge führt zum Ziel... Bohnen, Sex, Dauerlutscher oder nicht auf die andere Seite des Flusses zu gehen. Der Parteivorsitzende stellt die Regeln auf und alles ist erlaubt, denn Regeln halten den Hühnerhaufen zusammen und grenzen diesen von der Konkurrenz ab. Die Karotte am Stecken ist ein vages Versprechen wie Erleuchtung oder der Austritt der Seele aus dem Samsara und die Rückkehr in die Heimat.

      Fassen wir also die Spielregeln für ein erfolgreiches Dasein als geistiger Führer zusammen:

      • Stelle wilde Regeln auf - überlasse die Interpretation von Fug und Unfug dieser Regeln der Nachwelt
      • Behaupte, dass die Befolgung dieser Regeln mit einer spirituellen Belohnung verbunden ist... du bist das beste Beispiel dafür, dass dies auch funktioniert - der Eingang ins Himmelreich, Parinirwana, Heimat etc. ist inklusive
      • Schaffe eine breite Basis an willigen und billigen Arbeitsvolk, dass die oberste Kaste und Genosse Vorsitzender finanziert - nimm Ihnen das Eigentum und füttere Sie mit den dürren Knochen spiritueller Doktrine

      Natürlich gibt es noch weitere Regeln, die sich jedoch den meisten Menschen mit gesunden Menschenverstand erschließen sollten. In diesem Sinne... einen schönen Tag!


      Flyer der Church of the Flying Spaghetti Monster
      Der heutige Tipp des Tages stammt von:  

           Church of the Flying Spaghetti Monster
      "Convert the masses with propaganda flyers. Whether you are distributing them en masse to the public, or keeping a few on hand to swap with any Jehovah’s Witnesses that stop by, these are what you’re looking for. The flyer is the crack rock of propaganda."



      Credentials: Nina Simone, Feist, 16 Horsepower und Leon Redbone lieferten die Musik zu unserer heutigen Exkursion in die Welten von "Fug und Unfug".