Wednesday, March 27, 2013

Social Media und der gefräßige Plapperkäfer

Es gibt Tage, an denen sollte man im Bett bleiben, sich die Decke über den Kopf ziehen und das Leben da draußen meiden: Nennen wir es die angewandte Theorie des gefräßigen Plapperkäfers von Traal. Ein von Douglas Adams beschriebenes Alien, dass denkt, wenn du es nicht siehst, kann es dich auch nicht sehen. Mächtig dämlich, aber gefräßig. Einer der Gründe, warum man nicht ohne Handtuch aus dem Haus gehen sollte, denn Ignoranz ist eine mächtige Waffe.

Das Interessante ist, dass viele User im Internet das Mindsetting des Plapperkäfers von Traal benutzen. Trotz allen Geredes von der Intelligenz des Schwarms, neigt das einzelne Mitglied dazu dämlich und gefräßig zu sein, und schnappt hungrig nach den paar Informationshappen, die uns vor die Füße geworfen werden. Tratsch und Klatsch sind der Leim, der das Internet zusammenhält und wer unsere Gefräßigkeit gut bedient, den belohnen wir, indem wir das größere Gesamtbild ignorieren: Denn was wir nicht sehen, betrifft uns auch nicht. Oder?


Reden wir in diesem Zusammenhang noch einmal von Social Media, deren erklärtes Ziel und Daseinszweck der Aufbau und die Pflege des Markenvertrauens ist. Das Fachgebiet, in dem all die schönen Wörter benutzt werden, die viral als Adjektiv voran stehen haben. Virales Marketing, virale Effekte, virale Proktologie, sukzessive Approximation durch virales... Halt! Bullshit Bingo... nun aber ernsthaft: Einer der zentralen Ideen und Konzepte hinter der Verwendung von Social Media ist, dass sich eine bestimmte Vorstellung oder Idee innerhalb kürzester Zeit im Internet durch die Verwendung von sozialen Netzwerken und Blogs verbreitet, gleich einem Virus. Erst ist es einer, dann zwei, dann viele... und je mehr es werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich weitere Menschen finden, die unsere Botschaft in die Welt hinaustragen und verbreiten.

Und hier wird es interessant, denn gewisse Gemeinsamkeiten der Social Media sind mit einem eher negativ besetzten Begriff nicht zu übersehen: Propaganda, der systematische Versuch bestimmte Sichtweisen in der Bevölkerung zu erzeugen. Ein zu harter Vergleich? Zu politisch? Mitnichten. Propaganda leitet sich aus dem Wort propagare ab, dessen ursprüngliche Bedeutung “verbreiten, ausdehnen, fortpflanzen” ist... virales Marketing, anyone? Und je mehr man sich mit beiden Themengebieten beschäftigt, desto deutlicher werden die Zusammenhänge und die Frage danach, ob es nicht Sinn macht, das Mindsetting des gefräßigen Plapperkäfers hin und wieder abzulegen, kurz: Jeder User sollte sich von Zeit zur Zeit selber fragen, wie bereitwillig er sich durch die Informationshäppchen, Aktionen und bunte Bilder manipulieren läßt, die uns von der Propaganda-Maschinerie der Unternehmen verfüttert werden.

Für mich persönlich bewerte ich die Qualität von Unternehmen in Zukunft darüber, in welcher Art und Weise diese Social Media benutzen. Reine Manipulation oder: Information und Kommunikation mit den Usern und möglichen Kunden.... und im übrigen bin ich der Meinung, dass eine Drosselung der DSL-Flatrate durch die Telekom eine Sauerei ist.