Monday, April 15, 2013

Hype, whine and cheesy games (1)



Games unfertig, mit Bugs oder fehlenden Features auf den Markt zu bringen ist - gelinde gesagt - eine Sauerei. Daran gibt es nichts zu deuten und der Zorn der Spieler in so einem Fall ist mehr als gerecht. Warum das immer wieder passiert, ist ein Puzzle aus vielen Teilen, dass komplex und selbst für Beteiligte nur schwer zu durchschauen ist. Auch wenn ich mich unbeliebt mache: Ich glaube nicht, dass die Geschichte vom gierigen Publisher stimmt, der mit roten Augen und satanischem Gelächter Spieleschmieden aus lauter Bosheit dazu zwingt, unfertige Spiele zu veröffentlichen.  Dass ist lediglich die einfachste Möglichkeit, das Böse in der Welt der Spiele zu benennen und einen Schuldigen für die eigene Entäuschung zu finden, wenn ein Produkt unsere Erwartungen nicht erfüllt.


Der Bullshit Award
Und da sind wir an einem Punkt, den ich recht interessant finde: Wie sieht es mit unseren Erwartungen über "funktionierende" Produkte hinaus aus? Können diese überhaupt erfüllt werden? Es ist anscheinend schwer eine Grenze zu ziehen zwischen realistischer Erwartungen an ein Produkt und den Heilsversprechungen ewiger Glückseligkeit, die sich niemals erfüllen werden. Und zwangsläufig in Entäuschung enden. Wie wir als alte Nerds wissen: Enttäuschung führt zu Ärger, Ärger führt zu Hass, Hass führt zu... na? ....zu Beiträgen in Foren, Twitter und Facebook, in denen man bitter Anklage erhebt: "Aber ihr habt versprochen...!" Tja, das ist eine gute Frage: Was ist denn tatsächlich versprochen worden? Welches Bild habe ich in meinem Kopf gehabt und welche Hoffnungen haben meine Seele gefüllt, als ich dem"bösen" Publisher mein hart verdientes Geld in die Hand gedrückt habe?

Ich will es einmal so ausdrücken: In der Werbung arbeiten Profis, die es durchaus verstehen, die Leere in den Herzen der Kunden mit Wünschen und Vorstellungen zu füllen. Auch wenn die meisten Menschen damit aufgewachsen sind und eigentlich eine realistische Einschätzung der "Kauf mich!" Botschaften haben sollten, fällt es schwer den Konditionierung des Unterbewußtseins zu widerstehen. Man setzt ein halbnacktes Mädel/Bube auf die Motorhaube und schon steigert sich der Umsatz. Man füge den hübschen, bunten Bilder noch Massenhysterie dazu - als auch Hype bekannt - und das Ergebnis ist "... und isch 'abe keine Ahnung, warum ich mir diesen Schrott gekauft habe..." oder "Warum ich mir eine Pfauenfeder in den Hintern gesteckt habe und das auf Youtube mit einem Video dokumentiert habe". Setzen wir mal eine Hypothese oder fragwürdige Theorie in den Raum, die jeden anderen Menschen ausser einem selber betrifft.

Die Stärke der Emotionen ist proportional zu der Höhe der Erwartungen, die man vor dem Spiel hatte. Und die Höhe der Erwartungen hängt vom Ausmaß des Hypes ab, der um ein Spiel entstanden ist. 
Oh ja. Der böse Hype. Der Verführer unschuldiger Seelen am Ende einer Wertschöpfungskette häßlicher Werbefritzen. Der heilige Gral des viralen Marketings! Mächtig, prächtig und in höchsten Maße: Verdächtig. Über die Gemeinsamkeiten von Propaganda und Social Media habe ich im Beitrag Social Media und der gefräßige Plapperkäfer schon schwadroniert und der Hype entsteht, wenn die Werbung und Propaganda auf fruchtbaren Boden fällt: Man nehme ein Produkt (oder Idee), betreibe Werbung und versucht erste Anhänger zu gewinnen. Diese überzeugen andere Menschen, dass dieses Produkt knorke ist, und die neuen Überzeugten bekehren wiederum andere. Es ist ein Schneeballsystem unreflektierter Meinung, dass uns so lustige Dinge wie den Harlem Shuffle beschert hat. Schlechte Mucke und Gezappel als höhere Daseinsform.

to be continued...